Eigenanteil beim Zahnersatz berechnen: Festzuschuss 2026, Kürzung 2027 und was die Zahnzusatzversicherung übernimmt
Das Wichtigste in Kürze
- Eigenanteil = Rechnung minus Festzuschuss. Die Kasse zahlt einen festen Betrag je Befund, nicht einen Prozentsatz Ihrer Rechnung. Für eine Krone sind das 2026 239,03 Euro (ohne Bonus) bis 298,79 Euro (10 Jahre Bonusheft).
- Bei reiner Regelversorgung tragen Sie 2026 rund 40, 30 oder 25 Prozent selbst. Bei einer Vollkeramikkrone für 950 Euro sind es 651 bis 711 Euro, bei einem Implantat für 3.000 Euro 2.309 bis 2.447 Euro.
- Für Festzuschüsse, die ab dem 01.01.2027 bewilligt werden, sinken die Sätze auf 50, 60 und 65 Prozent. Im Rechenbeispiel steigt der Eigenanteil je Krone um rund 40 Euro, je Einzelzahnlücke um rund 92 Euro. Vor dem Stichtag bewilligte Heil- und Kostenpläne behalten das alte Recht.
- Eine Zahnzusatzversicherung, die sich an der Rechnung orientiert, kann den Eigenanteil bei einem Implantat von 2.447 auf 245 bis 600 Euro senken. Ein Tarif, der nur den Festzuschuss verdoppelt, lässt 1.894 Euro übrig.
- Zahnstaffel, Wartezeit, bereits angeratene Behandlungen und die Anrechnung eines Bonus, den Sie gar nicht haben, sind die häufigsten Gründe für einen Rest-Eigenanteil trotz Versicherung.

Inhaltsverzeichnis
- Eigenanteil berechnen: die Formel in drei Schritten
- Wie hoch ist der Festzuschuss? Die Beträge 2026 und das Rechenbeispiel 2027
- Eigenanteil bei reiner Regelversorgung
- Höherwertiger Zahnersatz: gleichartig, andersartig und was das für die Rechnung heißt
- Rechenbeispiele: Eigenanteil bei Krone, Brücke und Implantat
- Kürzung 2027: Was sich an Ihrem Eigenanteil ändert
- Bonusheft: was es in Euro bringt
- Härtefall: wann kein oder fast kein Eigenanteil bleibt
- Wie die Zahnzusatzversicherung Ihren Eigenanteil senkt
- Warum der Eigenanteil bei gleichem Befund so unterschiedlich ausfällt
- Ihre Rechte: so vermeiden Sie einen überraschenden Eigenanteil
- Eigenanteil senken: acht Wege
- Eigenanteil von der Steuer absetzen
- Entscheidungstabelle: was in Ihrer Situation den Eigenanteil am stärksten senkt
- Checkliste: Eigenanteil vor der Behandlung prüfen
- Häufig gestellte Fragen zu Eigenanteil und Zahnzusatzversicherung
- Fazit: Eigenanteil kennen, bevor die Behandlung beginnt
- Quellen
Ihr Eigenanteil beim Zahnersatz ist die Rechnung minus Festzuschuss der Krankenkasse. Die Kasse zahlt einen festen Euro-Betrag je Befund. Er richtet sich nach der Regelversorgung, nicht nach dem Zahnersatz, den Sie tatsächlich wählen. Bei der einfachen Kassenlösung tragen Sie 2026 rund 25 bis 40 Prozent selbst, bei einer Vollkeramikkrone oder einem Implantat rund 70 bis 80 Prozent der Rechnung. Für Festzuschüsse, die ab dem 01.01.2027 bewilligt werden, sinkt der Kassenanteil gesetzlich, Ihr Eigenanteil steigt also.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie den Eigenanteil aus Ihrem Heil- und Kostenplan selbst nachrechnen. Er erklärt, wie viel davon eine Zahnzusatzversicherung je nach Tarifmodell übernimmt und wo trotz Versicherung ein Rest bleibt. Alle Beträge für 2026 stammen aus der amtlichen Festzuschuss-Tabelle. Werte für 2027 sind als Rechenbeispiel gekennzeichnet, weil der G-BA die neuen Beträge erst bis Ende November 2026 festsetzt.
Eigenanteil berechnen: die Formel in drei Schritten
Der Eigenanteil ergibt sich aus drei Zahlen: Gesamtkosten, Festzuschuss und, falls vorhanden, Erstattung der Zusatzversicherung.
- Gesamtkosten: Sie stehen im Heil- und Kostenplan (HKP), den Ihre Zahnarztpraxis vor jedem Zahnersatz kostenfrei erstellen muss (§ 87 Abs. 1a SGB V). Er enthält den Befund, die Regelversorgung und die tatsächlich geplante Versorgung mit Art, Umfang und Kosten.
- Festzuschuss abziehen: Die Krankenkasse prüft den Plan und bewilligt den Festzuschuss. Gesamtkosten minus Festzuschuss = Eigenanteil ohne Zusatzversicherung.
- Erstattung der Zusatzversicherung abziehen: Eigenanteil minus Erstattung = was Sie am Ende wirklich zahlen. Wie hoch die Erstattung ist, hängt vom Tarifmodell ab (siehe unten).
Ein häufiger Denkfehler: „60 Prozent Zuschuss“ heißt nicht 60 Prozent Ihrer Rechnung. Gemeint sind 60 Prozent der durchschnittlichen Kosten der Regelversorgung für Ihren Befund. Kostet Ihre Krone mehr als die Kassenlösung, steigt nur Ihr Eigenanteil, der Zuschuss bleibt gleich. So steht es in § 55 Abs. 4 und 5 SGB V, und so erklärt es auch die KZBV.
Wie hoch ist der Festzuschuss? Die Beträge 2026 und das Rechenbeispiel 2027
Der Festzuschuss ist ein fester Euro-Betrag je Befund, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) jedes Jahr festsetzt. Insgesamt gibt es etwa 50 Befunde, die Tabelle zeigt die häufigsten. Die Werte für 2026 stammen aus der Festzuschuss-Richtlinie des G-BA und sind mit der KZBV-Abrechnungshilfe 2026 identisch. Die Werte für 2027 sind ein Rechenbeispiel: Regelversorgungsbetrag 2026 mal neuer Prozentsatz.
| Befund | Regelversorgung (100 %) | 2026: 60 % | 2026: 70 % | 2026: 75 % | 2027 RB: 50 % | 2027 RB: 60 % | 2027 RB: 65 % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1.1 Krone (weitgehend zerstörter Zahn) | 398,39 € | 239,03 € | 278,87 € | 298,79 € | 199,20 € | 239,03 € | 258,95 € |
| 1.2 Teilkrone (große Defekte) | 457,27 € | 274,36 € | 320,09 € | 342,95 € | 228,64 € | 274,36 € | 297,23 € |
| 2.1 Lücke, ein Zahn fehlt (Brücke, auch Implantat) | 921,60 € | 552,96 € | 645,12 € | 691,20 € | 460,80 € | 552,96 € | 599,04 € |
| 3.1 Freiend oder größere Lücke, Teilprothese je Kiefer | 952,15 € | 571,29 € | 666,51 € | 714,11 € | 476,08 € | 571,29 € | 618,90 € |
| 4.2 zahnloser Oberkiefer (Totalprothese) | 960,74 € | 576,44 € | 672,52 € | 720,56 € | 480,37 € | 576,44 € | 624,48 € |
| 4.4 zahnloser Unterkiefer (Totalprothese) | 1.029,54 € | 617,72 € | 720,68 € | 772,16 € | 514,77 € | 617,72 € | 669,20 € |
RB = Rechenbeispiel. Die tatsächlichen Beträge 2027 werden voraussichtlich abweichen, weil der G-BA die Regelversorgungskosten jährlich neu festsetzt.
Dazu kommen Zuschläge, etwa für eine zahnfarbene Verblendung im sichtbaren Bereich (Befund 1.3: 80,66 bis 100,83 Euro je Krone 2026) oder je verblendetes Brückenglied (Befund 2.7). Die KZBV rechnet als Beispiel einen fehlenden oberen Eckzahn vor: Brücke mit drei verblendeten Gliedern, Festzuschuss 791,34 Euro ohne Bonus bis 989,19 Euro mit 10 Jahren Bonusheft. Alle Befunde finden Sie im Ratgeber Festzuschuss Zahnersatz 2026.
Wichtig beim Implantat: Für Implantate, Aufbauten und Verbindungselemente gibt es keinen Festzuschuss. Die Kasse zahlt aber den Festzuschuss für den Befund vor der Implantation, bei einer Einzelzahnlücke also Befund 2.1 (Festzuschuss-Richtlinie, Abschnitt A Nr. 6 und 7). Die oft zu lesende Aussage „die Kasse zahlt beim Implantat nichts“ ist falsch.
Eigenanteil bei reiner Regelversorgung
Wählen Sie die Regelversorgung, also die Kassenlösung, ist der Eigenanteil am kleinsten. Laut Verbraucherzentrale sind das rund 40 Prozent, mit Bonusheft 30 bzw. 25 Prozent. Im Seitenzahnbereich ist die Regelversorgung eine Krone oder Brücke aus Nicht-Edelmetall. Im sichtbaren Bereich (Oberkiefer bis Zahn 5, Unterkiefer bis Zahn 4) bezuschusst die Kasse zusätzlich eine zahnfarbene Verblendung der Außenseite.
Nimmt man vereinfacht an, die Rechnung entspricht genau dem Regelversorgungsbetrag, ergeben sich diese Eigenanteile:
| Befund | 2026 ohne Bonus | 2026 mit 5 J. Bonus | 2026 mit 10 J. Bonus | 2027 RB ohne Bonus | 2027 RB mit 5 J. | 2027 RB mit 10 J. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Krone (1.1) | 159,36 € | 119,52 € | 99,60 € | 199,19 € | 159,36 € | 139,44 € |
| Brücke, 1 Zahn fehlt (2.1) | 368,64 € | 276,48 € | 230,40 € | 460,80 € | 368,64 € | 322,56 € |
| Teilprothese (3.1) | 380,86 € | 285,64 € | 238,04 € | 476,07 € | 380,86 € | 333,25 € |
| Totalprothese Oberkiefer (4.2) | 384,30 € | 288,22 € | 240,18 € | 480,37 € | 384,30 € | 336,26 € |
| Totalprothese Unterkiefer (4.4) | 411,82 € | 308,86 € | 257,38 € | 514,77 € | 411,82 € | 360,34 € |
In der Praxis weicht die Rechnung etwas ab, weil der Festzuschuss auf Durchschnittskosten beruht. Die Größenordnung stimmt aber. Die Regelversorgung ist dabei keine Notlösung: Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Metall bei Lebensdauer, Stabilität und Passgenauigkeit weiterhin gute Ergebnisse erzielt und die Regelversorgung wissenschaftlich überprüft wird.
Höherwertiger Zahnersatz: gleichartig, andersartig und was das für die Rechnung heißt
Sobald Sie mehr wählen als die Kassenlösung, unterscheidet das Gesetz zwei Fälle. Der Festzuschuss bleibt in beiden gleich, es ändert sich nur, wie abgerechnet wird.
| Versorgungsart | Beispiel | Festzuschuss | Abrechnung | Ihr Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|
| Regelversorgung | NEM-Krone im Seitenzahn | Festzuschuss nach Befund | über die Kasse; die Praxis rechnet den Festzuschuss mit der KZV ab | Differenz zur Regelversorgung |
| Gleichartig (§ 55 Abs. 4 SGB V) | Krone rundum keramisch verblendet, Vollkeramikbrücke | gleicher Festzuschuss | Kassenanteil gesetzlich, Mehrleistungen privat nach GOZ | Differenz plus Mehrkosten |
| Andersartig (§ 55 Abs. 5 SGB V) | Implantat statt Brücke, festsitzende Brücke statt Teilprothese | gleicher Festzuschuss | komplette Rechnung privat nach GOZ; Direktabrechnung: Sie zahlen die Praxis, die Kasse zahlt Ihnen den Festzuschuss aus | Gesamtrechnung minus Festzuschuss |
Bei der andersartigen Versorgung erhalten Sie laut KZBV eine Rechnung über die Gesamtkosten samt Formular „Direktabrechnung Zahnersatz“. Das reichen Sie bei der Kasse ein, die Ihnen den Festzuschuss überweist. Planen Sie also kurzfristig mehr Geld ein, als Ihr Eigenanteil am Ende beträgt. Die Unterschiede zwischen den Materialien erklärt der Ratgeber Keramikkrone oder Metallkrone.
Rechenbeispiele: Eigenanteil bei Krone, Brücke und Implantat
Die folgenden drei Fälle zeigen, wie stark der Eigenanteil bei höherwertigem Zahnersatz steigt. Die Rechnungsbeträge sind Annahmen in realistischer Größenordnung: Eine Keramikbrücke kostet laut Verbraucherzentrale Thüringen circa 1.500 Euro, ein Einzelzahnimplantat inklusive Zahnersatz laut Verbraucherzentrale in der Regel 1.500 bis 3.500 Euro. Ihre eigene Rechnung kann deutlich abweichen.
| Fall (Annahme) | Festzuschuss 2026 (60 / 70 / 75 %) | Eigenanteil 2026 | Anteil an der Rechnung | Eigenanteil 2027 RB (50 / 60 / 65 %) |
|---|---|---|---|---|
| Vollkeramikkrone Seitenzahn, 950 € (Befund 1.1) | 239,03 / 278,87 / 298,79 € | 710,97 / 671,13 / 651,21 € | 75 / 71 / 69 % | 750,80 / 710,97 / 691,05 € |
| Keramikbrücke, 1 Zahn fehlt, 1.500 € (Befund 2.1) | 552,96 / 645,12 / 691,20 € | 947,04 / 854,88 / 808,80 € | 63 / 57 / 54 % | 1.039,20 / 947,04 / 900,96 € |
| Implantat mit Krone, 3.000 € (Befund 2.1) | 552,96 / 645,12 / 691,20 € | 2.447,04 / 2.354,88 / 2.308,80 € | 82 / 78 / 77 % | 2.539,20 / 2.447,04 / 2.400,96 € |
So lesen Sie die Tabelle am Beispiel Implantat: Ohne Bonusheft erhalten Sie 2026 von der Kasse 552,96 Euro, Sie zahlen 2.447,04 Euro selbst. Ein 10 Jahre lückenlos geführtes Bonusheft bringt 138,24 Euro mehr, Ihr Eigenanteil sinkt auf 2.308,80 Euro. Wird der Festzuschuss erst 2027 bewilligt, zahlen Sie im Rechenbeispiel 92,16 Euro mehr, egal auf welcher Bonusstufe.
Wie die Kosten für Krone und Implantat im Detail zustande kommen, lesen Sie in den Ratgebern Zahnzusatzversicherung für Kronen und Zahnzusatzversicherung für Implantate.
Kürzung 2027: Was sich an Ihrem Eigenanteil ändert
Für Festzuschüsse, die ab dem 01.01.2027 bewilligt werden, zahlt die Kasse weniger. Grundlage ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228, Art. 1 Nr. 22). Die Techniker Krankenkasse bestätigt die neuen Sätze.
| bewilligt bis 31.12.2026 | bewilligt ab 01.01.2027 | |
|---|---|---|
| ohne Bonusheft | 60 % der Regelversorgung | 50 % |
| 5 Jahre Bonusheft | 70 % | 60 % |
| 10 Jahre Bonusheft | 75 % | 65 % |
| Härtefall | 100 % | 100 % (unverändert) |
| Ihr Eigenanteil bei Regelversorgung | 40 / 30 / 25 % | 50 / 40 / 35 % |
Was das in Euro bedeutet, hängt vom Befund ab. Rechnet man mit den Beträgen von 2026, fällt der Zuschuss je Krone um 39,83 Euro, je Einzelzahnlücke um 92,16 Euro und bei einer Totalprothese im Unterkiefer um 102,95 Euro. Der Gesetzentwurf begründet die Kürzung mit der Rückkehr zum Niveau vor Oktober 2020, als ebenfalls 50 Prozent galten.
Der Stichtag ist das Bewilligungsdatum, nicht der Behandlungsbeginn. In § 55 Abs. 6 SGB V neuer Fassung heißt es: Für alle vor dem 1. Januar 2027 bewilligten Festzuschüsse gilt das bisherige Recht. Eine Bewilligung gilt laut KZBV ein halbes Jahr, in dieser Zeit muss der Zahnersatz eingegliedert sein. Ein im Dezember 2026 bewilligter Plan kann also noch im ersten Halbjahr 2027 umgesetzt werden, mit den alten Sätzen.
Sollten Sie deshalb eine Behandlung vorziehen? Nur, wenn sie ohnehin ansteht und medizinisch sinnvoll ist. Die Entscheidung gehört in das Gespräch mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Ein überstürzter Plan, der später geändert werden muss, braucht einen neuen Antrag und fällt dann womöglich doch ins neue Recht.
Bonusheft: was es in Euro bringt
Ihr Bonusheft erhöht den Festzuschuss um 10 Prozentpunkte nach 5 Jahren und um 15 Prozentpunkte nach 10 Jahren. Daran ändert auch 2027 nichts, nur die Basis ist dann niedriger. In Euro sind das bei einer Krone bis 59,76 Euro, bei einer Einzelzahnlücke bis 138,24 Euro.
Die Regeln nach § 55 Abs. 1 SGB V und der KZBV:
- Erwachsene brauchen mindestens eine Kontrolluntersuchung pro Kalenderjahr, Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren eine pro Halbjahr.
- Das Jahr 2020 zählt wegen der Pandemie nicht als Lücke.
- Eine einmalige, begründete Lücke im 10-Jahres-Zeitraum kann folgenlos bleiben. Das Bundessozialgericht hat am 28.05.2026 entschieden, dass es egal ist, in welchem Jahr sie liegt (Az. B 1 KR 22/25 R).
- Im Härtefall gibt es keinen Bonus, weil die Kasse dann ohnehin 100 Prozent der Regelversorgung zahlt.
Reichen Sie das Bonusheft mit dem Heil- und Kostenplan ein. Wie Zusatzversicherungen mit dem Bonusheft umgehen, lesen Sie im Ratgeber Bonusheft und Zahnzusatzversicherung.
Härtefall: wann kein oder fast kein Eigenanteil bleibt
Bei geringem Einkommen zahlt die Kasse 100 Prozent der Regelversorgung, auch für ab 2027 bewilligte Festzuschüsse. Laut Bundesgesundheitsministerium liegt die Grenze 2026 bei:
| Haushalt | monatliches Bruttoeinkommen 2026 |
|---|---|
| alleinstehend | 1.582 € |
| mit einem Angehörigen | 2.175,25 € |
| je weiterer Angehöriger | + 395,50 € |
Ohne Einkommensprüfung gilt der Härtefall unter anderem bei Bürgergeld, Sozialhilfe, Grundsicherung und BAföG. Details stehen im Ratgeber Härtefallregelung bei Zahnersatz und Bürgergeld.
Liegt Ihr Einkommen knapp über der Grenze, greift die gleitende Härtefallregelung (§ 55 Abs. 3 SGB V). Das BMG rechnet vor: Ein alleinstehendes Mitglied verdient 1.610 Euro, also 28 Euro über der Grenze. 28 Euro mal 3 ergibt 84 Euro. Mehr Eigenbeteiligung fällt für die Regelversorgung nicht an.
Auch im Härtefall dürfen Sie höherwertigen Zahnersatz wählen. Die Kasse zahlt dann den Festzuschuss in Höhe von 100 Prozent der Regelversorgung, die Mehrkosten tragen Sie. Bei einer Vollkeramikkrone für 950 Euro bleiben 551,61 Euro, bei einem Implantat für 3.000 Euro 2.078,40 Euro. Die Stiftung Warentest rät Menschen mit sehr geringen Einkünften eher von einer Zusatzversicherung ab, weil der Härtefall die Regelversorgung bereits abdeckt.
Wie die Zahnzusatzversicherung Ihren Eigenanteil senkt
Eine Zahnzusatzversicherung zahlt einen Teil des Eigenanteils. Wie viel, hängt vor allem vom Erstattungsmodell ab. Die Verbraucherzentrale sagt es deutlich: Bezieht der Versicherer die Kassenleistung in seine Prozentangabe ein, bleibt Ihnen ein größerer Eigenanteil, und das ist bei den gängigen Policen sehr häufig der Fall. Die hochwertigsten Tarife kommen zusammen mit der Kasse auf 80 bis 95 Prozent, manche auf 100 Prozent.
Die fünf Modelle, die Sie in Tarifbedingungen am häufigsten finden:
| Modell | So rechnet der Tarif | Sinngemäße Formulierung in den Bedingungen |
|---|---|---|
| A: 90 % inklusive Kasse | Kasse und Versicherer zahlen zusammen 90 % der Rechnung | 90 % des Rechnungsbetrags einschließlich der Leistung der GKV |
| B: 90 % vom Rest | Versicherer zahlt 90 % dessen, was nach der Kasse übrig bleibt | 90 % der erstattungsfähigen Kosten nach Abzug der GKV-Leistung |
| C: Verdopplung | Versicherer zahlt noch einmal den Festzuschuss | 100 % der Kassenleistung |
| D: 80 % inklusive Kasse | wie A, mit 80 % | 80 % einschließlich GKV-Leistung |
| E: wie A, Höchstbonus angerechnet | zieht den Festzuschuss mit 10 Jahren Bonus ab, auch wenn Sie keinen Bonus haben | Anrechnung der GKV-Leistung bei Vorliegen des höchsten Bonus |
Eigenanteil mit Versicherung: drei Fälle durchgerechnet
Annahme: kein Bonusheft, Zahnstaffel bereits abgelaufen, Behandlung bei Abschluss noch nicht angeraten.
| Fall | ohne Versicherung | A: 90 % inkl. Kasse | B: 90 % vom Rest | C: Verdopplung | D: 80 % inkl. Kasse | E: wie A, Höchstbonus angerechnet |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Krone 950 €, 2026 | 710,97 € | 95,00 € | 71,10 € | 471,94 € | 190,00 € | 154,76 € |
| Krone 950 €, 2027 RB | 750,80 € | 95,00 € | 75,08 € | 551,60 € | 190,00 € | 154,75 € |
| Brücke 1.500 €, 2026 | 947,04 € | 150,00 € | 94,70 € | 394,08 € | 300,00 € | 288,24 € |
| Brücke 1.500 €, 2027 RB | 1.039,20 € | 150,00 € | 103,92 € | 578,40 € | 300,00 € | 288,24 € |
| Implantat 3.000 €, 2026 | 2.447,04 € | 300,00 € | 244,70 € | 1.894,08 € | 600,00 € | 438,24 € |
| Implantat 3.000 €, 2027 RB | 2.539,20 € | 300,00 € | 253,92 € | 2.078,40 € | 600,00 € | 438,24 € |
Drei Erkenntnisse aus der Tabelle:
- Bei Implantaten macht das Modell mehr als 1.500 Euro aus. Ein Verdopplungstarif lässt 1.894,08 Euro übrig, ein 90-Prozent-Tarif 245 bis 300 Euro. Finanztip hält die Verdopplung der Kassenleistung deshalb nicht für lohnend.
- „90 % vom Rest“ ist rechnerisch günstiger als „90 % inklusive Kasse“. Bei der Krone liegt der Unterschied bei rund 24 Euro, beim Implantat bei rund 55 Euro.
- Die Anrechnung des Höchstbonus kostet Sie den Bonus, den Sie nicht haben: 59,76 Euro je Krone, 138,24 Euro je Lücke. Die Stiftung Warentest unterscheidet in ihrer Methodik ausdrücklich, ob ein Tarif die tatsächliche Kassenleistung, die ohne Bonus oder die mit maximalem Bonus anrechnet.
Wer trägt die Kürzung 2027?
Das hängt vom Tarifmodell ab, und es ist für Ihren künftigen Eigenanteil der wichtigste Punkt:
| Modell | Kasse zahlt 2027 weniger (Krone / Lücke, RB) | Ihr Eigenanteil ändert sich um | Wer trägt die Kürzung? |
|---|---|---|---|
| A, D, E: Prozent inklusive Kasse | 39,83 € / 92,16 € | 0 € | der Versicherer |
| B: Prozent vom Rest | 39,83 € / 92,16 € | + 3,98 € / + 9,22 € | Versicherer 90 %, Sie 10 % |
| C: Verdopplung | 39,83 € / 92,16 € | + 79,66 € / + 184,32 € | Sie, doppelt: Kasse und Versicherer zahlen beide weniger |
Bei den Modellen A, D und E bleibt Ihr Eigenanteil konstant, weil der Tarif die Rechnung auf einen festen Prozentsatz auffüllt. Das gilt aber nur außerhalb der Zahnstaffel (siehe unten). Weil der Versicherer mehr zahlt, sind höhere Beiträge auf Dauer nicht ausgeschlossen. Finanztip weist darauf hin, dass Beitragserhöhungen nie ausgeschlossen sind, wenn die Behandlungskosten steigen. Beim Verdopplungstarif zahlen Sie die Kürzung zweimal.
Versteckte Eigenanteile trotz Versicherung
Auch ein guter Tarif zahlt nicht immer den vollen Prozentsatz. Diese Punkte sind die häufigsten Gründe für einen höheren Rest:
- Zahnstaffel: In den ersten Vertragsjahren ist die Erstattung gedeckelt. Die Verbraucherzentrale nennt als Beispiel 500 Euro im ersten Jahr und 1.000 Euro in den ersten zwei Jahren. Rechenbeispiel Implantat 3.000 Euro, Modell A, Grenze 1.000 Euro im ersten Jahr: Statt 2.147,04 Euro zahlt der Versicherer 1.000 Euro, Ihr Eigenanteil liegt bei 1.447,04 Euro (2026) bzw. 1.539,20 Euro (2027 RB). Innerhalb der Staffel tragen Sie die Kürzung 2027 also selbst. Mehr dazu im Ratgeber Zahnstaffel erklärt.
- Wartezeit: höchstens 8 Monate für Zahnersatz (§ 197 VVG). Viele Tarife verzichten darauf, haben dann aber eine Zahnstaffel. Siehe Zahnzusatzversicherung ohne Wartezeit.
- Angeratene oder laufende Behandlung: Was Ihnen vor Vertragsschluss schon geraten wurde oder bereits begonnen hat, ist in der Regel ausgeschlossen. Das gilt meist auch für Zähne, die bei Abschluss schon fehlten. Details: laufende Behandlung und angeratene Behandlung.
- GOZ-Höchstsatz: Viele Tarife erstatten nur bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung. Was darüber per Vereinbarung abgerechnet wird, bleibt bei Ihnen.
- Preis- und Leistungsverzeichnisse: Manche Tarife deckeln Material- und Laborkosten. Die Verbraucherzentrale nennt das eine deutliche Einschränkung.
- Medizinische Notwendigkeit: Der Versicherer zahlt nur für medizinisch notwendige Behandlungen im vereinbarten Umfang (§ 192 VVG). Rein kosmetische Leistungen sind meist ausgeschlossen.
Ob ein 100-Prozent-Tarif den Eigenanteil ganz auf null bringt, erklärt der Ratgeber Zahnzusatzversicherung mit 100 Prozent. Wie die Tarifmodelle beim Zahnersatz insgesamt abschneiden, lesen Sie unter Zahnzusatzversicherung für Zahnersatz.
Warum der Eigenanteil bei gleichem Befund so unterschiedlich ausfällt
Der Festzuschuss ist bundesweit gleich, die Rechnung nicht. Drei Faktoren treiben den Eigenanteil:
- Material- und Laborkosten. Sie machen laut KZBV 60 bis 70 Prozent der Gesamtrechnung aus. Hier lässt sich am ehesten sparen, etwa durch einen Vergleich verschiedener Labore.
- Steigerungsfaktor nach GOZ. Privatleistungen werden mit dem 1,0- bis 3,5-fachen Gebührensatz berechnet. Der 2,3-fache Satz entspricht einer durchschnittlichen Leistung. Darüber muss die Praxis schriftlich begründen, über 3,5 braucht es eine gesonderte schriftliche Vereinbarung vor der Behandlung. Laut Verbraucherzentrale erhöht ein 3,5-facher statt 2,3-facher Satz die Kosten bereits um rund 50 Prozent.
- Planung. Die Verbraucherzentrale hat festgestellt, dass Planungen bei gleichem Befund stark voneinander abweichen, teils um drei- bis vierstellige Beträge.
Dazu kommen Vorbehandlungen. Wurzel- und Parodontitisbehandlungen sind unter den Voraussetzungen der Kasse Sachleistung und laufen nicht über den Festzuschuss. Zusatzleistungen wie ein Knochenaufbau vor einem Implantat sind dagegen in der Regel privat. Eine Übersicht aller Zahnarztkosten bietet der Ratgeber Kosten der Zahnbehandlung.
Ihre Rechte: so vermeiden Sie einen überraschenden Eigenanteil
Mehrere Vorschriften sorgen dafür, dass Sie Ihren Eigenanteil vor der Behandlung kennen. Nutzen Sie sie.
| Recht | Was Sie verlangen können | Grundlage |
|---|---|---|
| Heil- und Kostenplan | kostenfrei, vor Beginn, mit Befund, Regelversorgung und geplanter Versorgung inklusive Kosten und Herstellungsort | § 87 Abs. 1a SGB V |
| Laborkostenvoranschlag | muss angeboten werden, wenn die Laborkosten voraussichtlich über 1.000 € liegen; bei mehr als 15 % Überschreitung unverzüglich Information in Textform | § 9 Abs. 2 GOZ |
| Kosteninformation | Die Praxis muss vor Beginn in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren, wenn die volle Übernahme durch Dritte nicht gesichert ist | § 630c Abs. 3 BGB |
| Leistungsauskunft der Zusatzversicherung | bei Kosten über 2.000 € Auskunft in Textform vor der Behandlung, binnen 4 Wochen (dringend: 2 Wochen) | § 192 Abs. 8 VVG |
| Gewährleistung | 2 Jahre auf Zahnersatz in der Kassenversorgung | § 136a Abs. 4 SGB V |
| Gültigkeit der Bewilligung | ein halbes Jahr; Verlängerung beantragen | KZBV, Verbraucherzentrale |
Der Heil- und Kostenplan ist eine Schätzung, kein Festpreis. Ändert sich die Versorgung, braucht es einen neuen Antrag bei der Kasse. Wie Sie einen Plan lesen, zeigt der Ratgeber Heil- und Kostenplan verstehen. Wie Sie danach richtig abrechnen, erklärt der Ratgeber Rechnung bei der Zahnzusatzversicherung einreichen.
Eigenanteil senken: acht Wege
Diese Möglichkeiten nennen Verbraucherzentrale und KZBV, sortiert nach Aufwand:
- Bonusheft vollständig einreichen. Bringt 2026 bei einer Krone bis 59,76 Euro, bei einer Lücke bis 138,24 Euro.
- Härtefall prüfen. Auch knapp über der Grenze lohnt der Antrag wegen der gleitenden Regelung.
- Regelversorgung als Vergleich anfordern. Sie haben Anspruch darauf, und die Praxis muss über Kosten und Alternativen aufklären.
- Kostenlose Zweitmeinung. Die Patientenberatungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und Zahnärztekammern prüfen eine Zahnersatzplanung für gesetzlich Versicherte kostenlos, ein Heil- und Kostenplan genügt (Verbraucherzentrale). Mehr im Ratgeber Zweitmeinung beim Zahnersatz.
- Labor vergleichen. Weil Material und Labor den größten Kostenblock bilden, lohnt die Frage nach einem anderen Labor oder nach Zahnersatz aus einem ausländischen Labor mit deutschem Kooperationspartner. Siehe Zahnersatz aus dem Ausland.
- In Schritten behandeln. Die KZBV nennt die Möglichkeit, eine Versorgung auf mehrere Abschnitte zu verteilen, um finanziell planen zu können.
- Zahnzusatzversicherung abschließen, bevor eine Behandlung angeraten ist. Laut Verbraucherzentrale wird Zahnersatz statistisch ab Mitte 30 bis Anfang 40 nötig. Wer erst abschließt, wenn die Behandlung angeraten ist, bekommt sie in der Regel nicht erstattet. Ob sich ein Tarif für Sie rechnet, prüft der Ratgeber Lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung?. Was er monatlich kostet, steht unter Kosten pro Monat.
- Rest finanzieren oder absetzen. Für den verbleibenden Betrag gibt es Raten- und Finanzierungsmodelle (siehe Zahnersatz auf Raten), und der Eigenanteil kann steuerlich zählen (nächster Abschnitt).
Finanztip nennt eine Alternative zur Versicherung: Wer selten Zahnersatz braucht und mit der Regelversorgung zufrieden ist, kann die Eigenanteile auch selbst ansparen, etwa 20 bis 40 Euro im Monat auf einem Tagesgeldkonto.
Eigenanteil von der Steuer absetzen
Ihren Eigenanteil können Sie als außergewöhnliche Belastung geltend machen (§ 33 EStG), aber nur den Teil, der über Ihrer zumutbaren Belastung liegt. Abziehen können Sie nur, was Sie tatsächlich selbst tragen, nicht den Teil, den Kasse oder Zusatzversicherung erstatten. Alle Krankheitskosten eines Jahres zählen zusammen.
Die zumutbare Belastung nach § 33 Abs. 3 EStG in Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte:
| Situation | bis 15.340 € | 15.340 bis 51.130 € | über 51.130 € |
|---|---|---|---|
| keine Kinder, Grundtarif (ledig) | 5 % | 6 % | 7 % |
| keine Kinder, Splittingtarif (verheiratet) | 4 % | 5 % | 6 % |
| 1 oder 2 Kinder | 2 % | 3 % | 4 % |
| 3 oder mehr Kinder | 1 % | 1 % | 2 % |
Seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 19.01.2017 (VI R 75/14) wird stufenweise gerechnet: Nur der Teil der Einkünfte über einer Grenze wird mit dem höheren Satz belastet.
Rechenbeispiel (ledig, keine Kinder, 40.000 Euro Gesamtbetrag der Einkünfte): 15.340 Euro × 5 % = 767,00 Euro plus 24.660 Euro × 6 % = 1.479,60 Euro ergibt eine zumutbare Belastung von 2.246,60 Euro. Bei einem Implantat-Eigenanteil von 2.447,04 Euro und keinen weiteren Krankheitskosten wirken sich 200,44 Euro steuerlich aus. Wie viel Steuer Sie dadurch sparen, hängt von Ihrem persönlichen Steuersatz ab. Mehr dazu, auch zu den Beiträgen der Zusatzversicherung, im Ratgeber Zahnzusatzversicherung von der Steuer absetzen.
Entscheidungstabelle: was in Ihrer Situation den Eigenanteil am stärksten senkt
| Ihre Situation | Was Sie tun können | Wirkung |
|---|---|---|
| Behandlung steht an, Heil- und Kostenplan liegt vor | Bonusheft einreichen, Härtefall prüfen, Zweitmeinung, Regelversorgung als Vergleich | Festzuschuss maximieren, Rechnung prüfen |
| Plan wird gegen Jahresende 2026 erstellt | Bewilligung vor dem 01.01.2027 klären, wenn die Behandlung ohnehin ansteht | alte Sätze 60 / 70 / 75 % für ein halbes Jahr |
| Keine Behandlung angeraten, Zähne gesund | Zusatzversicherung mit Prozent der Rechnung (Modell A oder B) vergleichen | Eigenanteil beim Implantat z. B. 245 bis 300 € statt 2.447 € |
| Bestehender Verdopplungstarif | Wechsel in einen Tarif mit Prozent der Rechnung prüfen (Gesundheitsfragen, Staffel beginnt neu) | Lücke bei hochwertigem Zahnersatz deutlich kleiner |
| Neuer Vertrag, noch in der Zahnstaffel | Zeitpunkt der Behandlung, wenn medizinisch vertretbar, mit der Praxis abstimmen; Leistungsauskunft einholen | Erstattung nicht an der Staffelgrenze verlieren |
| Einkommen unter oder knapp über der Härtefallgrenze | Härtefall bzw. gleitende Regelung beantragen; Zusatzversicherung eher nicht nötig | Regelversorgung ohne oder mit kleinem Eigenanteil |
| Hoher Eigenanteil bleibt | Ratenzahlung, Steuer (§ 33 EStG), Behandlung in Schritten | Liquidität und Steuerentlastung |
Checkliste: Eigenanteil vor der Behandlung prüfen
- Heil- und Kostenplan liegt vor: Befund, Regelversorgung und geplante Versorgung sind getrennt aufgeführt.
- Festzuschuss der Kasse ist eingetragen. Passt er zum Befund in der Festzuschuss-Tabelle?
- Bonusheft ist vollständig eingereicht, Lücken sind begründet, 2020 zählt nicht.
- Bewilligungsdatum notiert: vor oder ab dem 01.01.2027? Gültigkeit 6 Monate.
- Bei Privatanteil: Steigerungsfaktor erfragt, Begründung über 2,3-fach, Vereinbarung über 3,5-fach.
- Bei Laborkosten über 1.000 Euro: Laborkostenvoranschlag verlangt.
- Zusatzversicherung: Modell (inklusive Kasse, vom Rest, Verdopplung), Zahnstaffel, GOZ-Grenze und Bonus-Anrechnung geprüft.
- Ab 2.000 Euro: Leistungsauskunft der Zusatzversicherung angefordert (§ 192 Abs. 8 VVG).
- Härtefall bzw. gleitende Regelung geprüft.
- Rechnungen und Zahlungsbelege für die Steuererklärung aufbewahrt.
Häufig gestellte Fragen zu Eigenanteil und Zahnzusatzversicherung
Wie berechne ich meinen Eigenanteil beim Zahnersatz?
Nehmen Sie die voraussichtlichen Gesamtkosten aus dem Heil- und Kostenplan und ziehen Sie den Festzuschuss ab, den Ihre Krankenkasse dort einträgt. Der Rest ist Ihr Eigenanteil. Haben Sie eine Zahnzusatzversicherung, ziehen Sie deren Erstattung ab. Ob der Tarif mit Prozent der Rechnung inklusive Kasse, Prozent des Rests oder einem Vielfachen des Festzuschusses rechnet, steht in den Tarifbedingungen.
Was muss die Krankenkasse bei Zahnersatz bezahlen?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt einen befundbezogenen Festzuschuss. Für bis Ende 2026 bewilligte Heil- und Kostenpläne sind das 60 Prozent der Regelversorgung, mit 5 Jahren Bonusheft 70 und mit 10 Jahren 75 Prozent. Für ab 01.01.2027 bewilligte Festzuschüsse gelten 50, 60 und 65 Prozent. Im Härtefall zahlt die Kasse 100 Prozent der Regelversorgung. Wählen Sie höherwertigen Zahnersatz, bleibt der Festzuschuss gleich und die Mehrkosten tragen Sie.
Wie hoch ist der Eigenanteil bei einer Krone?
Für eine einfache Metallkrone im Seitenzahnbereich (Regelversorgung, 398,39 Euro) zahlen Sie 2026 etwa 100 bis 160 Euro selbst, je nach Bonusheft. Bei einer Vollkeramikkrone für 950 Euro bleiben 651,21 bis 710,97 Euro. Für ab 2027 bewilligte Festzuschüsse steigt der Eigenanteil im Rechenbeispiel um rund 40 Euro je Krone.
Wie hoch ist der Eigenanteil bei einem Implantat?
Für das Implantat selbst gibt es keinen Festzuschuss. Die Kasse zahlt den Festzuschuss für die Lücke, bei einem fehlenden Zahn 2026 552,96 bis 691,20 Euro. Bei einer Implantatversorgung für 3.000 Euro bleiben 2.308,80 bis 2.447,04 Euro Eigenanteil. Für ab 2027 bewilligte Festzuschüsse sind es im Rechenbeispiel rund 92 Euro mehr.
Steigt mein Eigenanteil 2027?
Ja, wenn Ihr Festzuschuss ab dem 01.01.2027 bewilligt wird. Die Kasse zahlt dann 50, 60 oder 65 Prozent der Regelversorgung statt 60, 70 oder 75 Prozent. Die Euro-Beträge für 2027 setzt der G-BA bis 30.11.2026 fest. Rechnet man mit den Beträgen von 2026, fällt der Zuschuss je Krone um 39,83 Euro und je Einzelzahnlücke um 92,16 Euro. Wurde Ihr Heil- und Kostenplan vor dem 01.01.2027 bewilligt, gilt das alte Recht.
Zahlt die Zahnzusatzversicherung den kompletten Eigenanteil?
Nur Tarife mit 100 Prozent Erstattung inklusive Kassenleistung tun das, und auch sie erst nach Ablauf der Zahnstaffel, meist bis zum 3,5-fachen GOZ-Satz und nur für Behandlungen, die bei Abschluss noch nicht angeraten waren. Bei 90 Prozent inklusive Kasse bleiben 10 Prozent der Rechnung, bei einem Implantat für 3.000 Euro also 300 Euro. Tarife, die nur den Festzuschuss verdoppeln, schließen die Lücke bei Implantaten kaum.
Kann ich den Eigenanteil für Zahnersatz von der Steuer absetzen?
Ja, als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG, aber nur den Teil, der über Ihrer zumutbaren Belastung liegt. Diese beträgt je nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl 1 bis 7 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte und wird seit einem BFH-Urteil von 2017 stufenweise berechnet. Bei 40.000 Euro Einkünften, ledig und ohne Kinder, liegt sie bei 2.246,60 Euro. Was Kasse oder Zusatzversicherung erstatten, zählt nicht mit.
Was passiert, wenn die Rechnung höher ausfällt als im Heil- und Kostenplan?
Der Heil- und Kostenplan ist eine Schätzung. Werden die Kosten eines Laborkostenvoranschlags voraussichtlich um mehr als 15 Prozent überschritten, muss die Praxis Sie unverzüglich in Textform informieren (§ 9 GOZ). Ändert sich die Versorgung, ist ein neuer Antrag bei der Kasse nötig. Rechnungen können Sie bei vielen Landeszahnärztekammern kostenlos prüfen lassen.
Muss ich im Härtefall einen Eigenanteil zahlen?
Bei der Regelversorgung in der Regel nicht: Die Kasse zahlt dann 100 Prozent der Regelversorgung, 2026 bis zu einem Bruttoeinkommen von 1.582 Euro für Alleinstehende. Das gilt auch für ab 2027 bewilligte Festzuschüsse. Wählen Sie Keramik oder ein Implantat, zahlen Sie die Mehrkosten selbst, bei einer Vollkeramikkrone für 950 Euro zum Beispiel 551,61 Euro. Liegt Ihr Einkommen knapp darüber, hilft die gleitende Härtefallregelung.
Fazit: Eigenanteil kennen, bevor die Behandlung beginnt
Ihr Eigenanteil ist keine Überraschung, wenn Sie den Heil- und Kostenplan lesen können: Gesamtkosten minus Festzuschuss. Bei der Regelversorgung bleibt 2026 ein Viertel bis zwei Fünftel der Kosten, bei Keramik und Implantaten der größere Teil der Rechnung. Für ab 2027 bewilligte Festzuschüsse wird es für alle ohne Härtefall teurer.
Eine Zahnzusatzversicherung kann diese Lücke weitgehend schließen, wenn sie sich an der Rechnung orientiert und nicht nur den Festzuschuss verdoppelt. Entscheidend sind außerdem Zahnstaffel, Bonus-Anrechnung und ein Abschluss, bevor eine Behandlung angeraten ist. Mehr zur Kassenseite lesen Sie im Ratgeber Was zahlt die Krankenkasse bei Zahnersatz?, die Grundlagen der Absicherung unter Was ist eine Zahnzusatzversicherung?.
Quellen
- § 55 SGB V Leistungsanspruch Zahnersatz (Fassung bis 31.12.2026) – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- § 87 Abs. 1a SGB V Heil- und Kostenplan – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026, Art. 1 Nr. 22 (§ 55 SGB V ab 01.01.2027) – Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 228 (recht.bund.de)
- Gesundheitsreform 2026/2027: Zusammenfassung – Techniker Krankenkasse, 2026 (tk.de)
- Festzuschuss-Richtlinie, Beschluss vom 05.12.2025, in Kraft 01.01.2026 – Gemeinsamer Bundesausschuss (g-ba.de, PDF)
- Abrechnungshilfe Festzuschüsse 2026 – KZBV, Stand 01.01.2026 (kzbv.de, PDF)
- Festzuschuss und Eigenanteil – KZBV, Stand 01.01.2026 (kzbv.de)
- Zahnersatz: vom Antrag bis zur Abrechnung – KZBV, 2026 (kzbv.de)
- Bonusheft – KZBV, 2026, mit Hinweis auf BSG, Urteil vom 28.05.2026, B 1 KR 22/25 R (kzbv.de)
- Zahnärztliche Behandlung, Härtefallgrenzen 2026 – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 03.09.2026 (bundesgesundheitsministerium.de)
- Zahnersatz: Wie viel übernimmt die gesetzliche Krankenkasse? – Verbraucherzentrale, Stand 26.01.2026 (verbraucherzentrale.de)
- Der Heil- und Kostenplan: Was Sie darüber wissen müssen – Verbraucherzentrale, Stand 19.02.2024 (verbraucherzentrale.de)
- 10 Tipps: So sparen Sie Geld beim Zahnersatz – Verbraucherzentrale, Stand 16.05.2025 (verbraucherzentrale.de)
- Brücke, Krone, Implantat: Welche Unterschiede gibt es beim Zahnersatz? – Verbraucherzentrale, Stand 01.07.2024 (verbraucherzentrale.de)
- Mehr Zuschuss beim Zahnersatz – Verbraucherzentrale Thüringen, Stand 26.01.2026 (vzth.de)
- Zahnzusatzversicherung: Risiken und Vorteile – Verbraucherzentrale, Stand 23.07.2026 (verbraucherzentrale.de)
- Zahnzusatzversicherungen im Test, Methodik – Stiftung Warentest, 12.08.2026 (test.de)
- Zahnzusatzversicherung: Vergleich und Empfehlungen – Finanztip, Abruf 21.10.2026 (finanztip.de)
- Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) § 9 – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- § 630c BGB Mitwirkung der Vertragsparteien; Informationspflichten – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- Versicherungsvertragsgesetz §§ 192, 197 – Bundesministerium der Justiz (§ 192, § 197)
- § 33 EStG Außergewöhnliche Belastungen – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de)
- Urteil vom 19.01.2017, VI R 75/14, stufenweise Ermittlung der zumutbaren Belastung – Bundesfinanzhof (bundesfinanzhof.de)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche, steuerliche oder Versicherungsberatung. Die Festzuschuss-Beträge 2026 stammen aus der Festzuschuss-Richtlinie des G-BA und der KZBV-Abrechnungshilfe. Die Beträge für 2027 setzt der G-BA erst bis 30.11.2026 fest; alle Werte für 2027 sind gekennzeichnete Rechenbeispiele. Rechnungsbeträge in den Beispielen sind Annahmen. Maßgeblich sind Ihr Heil- und Kostenplan, der Bescheid Ihrer Krankenkasse und die Bedingungen Ihres Vertrags. Stand: Oktober 2026

Geschrieben von
Gründer und Inhaber von ZahnzusatzPlus, Versicherungsmakler nach § 34d GewO mit 9 Jahren Erfahrung in der Versicherungs- und Finanzbranche. Schreibt über Tarife, Leistungen und Fallstricke der Zahnzusatzversicherung. So arbeitet unsere Redaktion
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