Ein Tiefbiss ist mehr als nur ein ästhetisches Problem – er kann langfristig zu erheblichen gesundheitlichen Beschwerden führen. Etwa 20-25% der Bevölkerung in Deutschland leiden unter einem tiefen Biss, bei dem die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 2-3 mm überdecken. Diese Kieferfehlstellung, auch als vertikaler Überbiss oder Deckbiss bezeichnet, kann unbehandelt zu Zahnschäden, Kiefergelenksproblemen und chronischen Kopfschmerzen führen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über moderne Behandlungsmethoden, Kosten und Erfolgsaussichten bei der Korrektur eines Tiefbisses – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.
Was ist ein Tiefbiss und wie entsteht er?
Ein Tiefbiss liegt vor, wenn die oberen Frontzähne die unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen zu mehr als einem Drittel überdecken. In extremen Fällen können die unteren Zähne sogar vollständig hinter den oberen verschwinden und gegen den Gaumen drücken. Während eine leichte Überlappung von 2-3 mm als normal gilt, sprechen Kieferorthopäden ab einer Überdeckung von mehr als 4 mm von einem behandlungsbedürftigen tiefen Biss.
Ursachen für die Entstehung eines Tiefbisses
Die Entwicklung eines vertikalen Überbisses kann verschiedene Ursachen haben. In etwa 70% der Fälle spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle – die Kieferform und Zahnstellung werden vererbt. Weitere häufige Ursachen sind:
- Frühzeitiger Verlust von Milchzähnen: Wenn Milchzähne zu früh ausfallen oder gezogen werden, können die bleibenden Zähne in falscher Position durchbrechen
- Langanhaltende Lutschgewohnheiten: Daumenlutschen oder Schnullergebrauch über das dritte Lebensjahr hinaus können die Kieferentwicklung beeinflussen
- Mundatmung: Chronische Mundatmung aufgrund vergrößerter Mandeln oder Allergien verändert die Zungenposition und damit das Kieferwachstum
- Fehlende Backenzähne: Der Verlust von Seitenzähnen kann zu einer Absenkung der Bisshöhe führen
- Skelettale Fehlentwicklung: Ein zu kurzer Unterkiefer oder ein zu langer Oberkiefer verstärken den Tiefbiss
Unterschied zwischen Tiefbiss und Überbiss
Die Begriffe werden häufig verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche Fehlstellungen. Ein Überbiss bezeichnet den horizontalen Abstand zwischen oberen und unteren Schneidezähnen, während ein Tiefbiss die vertikale Überlappung beschreibt. Ein Patient kann beide Fehlstellungen gleichzeitig aufweisen – dann spricht man von einer kombinierten Anomalie, die eine komplexere Behandlung erfordert.
| Merkmal | Tiefbiss (vertikaler Überbiss) | Überbiss (horizontaler Überbiss) |
|---|---|---|
| Richtung der Fehlstellung | Vertikal – obere Zähne überdecken untere | Horizontal – obere Zähne stehen vor unteren |
| Messung | Prozentuale Überdeckung der Unterkieferzähne | Abstand in Millimetern (sagittal) |
| Normalwert | 20-30% Überdeckung (2-3 mm) | 2-3 mm horizontaler Abstand |
| Behandlungsbedarf ab | Mehr als 40% Überdeckung | Mehr als 6 mm Abstand |

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Symptome und Folgen eines unbehandelten Tiefbisses
Viele Betroffene bemerken zunächst nur ästhetische Einschränkungen – das Gesichtsprofil wirkt verkürzt, die Unterlippe erscheint zurückgesetzt. Doch die medizinischen Konsequenzen eines tiefen Bisses gehen weit darüber hinaus und entwickeln sich oft schleichend über Jahre.
Kurzfristige Beschwerden
Bereits in den ersten Jahren nach Durchbruch der bleibenden Zähne können folgende Symptome auftreten:
- Zahnfleischverletzungen: Die unteren Schneidezähne stoßen beim Kauen gegen den Gaumen und verursachen schmerzhafte Druckstellen
- Erhöhter Zahnabrieb: Die Frontzähne nutzen sich durch die Fehlbelastung bis zu dreimal schneller ab als bei normaler Bisslage
- Sprachprobleme: Besonders die Aussprache von S-Lauten kann beeinträchtigt sein
- Bissverletzungen: Häufiges Beißen auf die Innenseite der Unterlippe
Langfristige gesundheitliche Folgen
Ohne Behandlung können sich nach 10-20 Jahren schwerwiegende Komplikationen entwickeln. Studien zeigen, dass Patienten mit unkorrigiertem Tiefbiss ein 3,5-fach erhöhtes Risiko für Kiefergelenksprobleme haben:
- Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Chronische Kiefergelenksbeschwerden mit Schmerzen, Knacken und eingeschränkter Mundöffnung
- Chronische Kopf- und Nackenschmerzen: Durch die Fehlbelastung der Kaumuskulatur entstehen Verspannungen
- Zahnlockerung und Zahnverlust: Die Frontzähne werden durch die Fehlbelastung geschädigt
- Parodontitis: Erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen durch ungünstige Belastungsverhältnisse
- Tinnitus: In etwa 15% der Fälle entwickeln Patienten Ohrgeräusche durch die Kiefergelenksproblematik
Eine Langzeitstudie der Universität Heidelberg aus 2024 belegt, dass unbehandelte Tiefbiss-Patienten im Alter von 50 Jahren durchschnittlich 2,3 Zähne mehr verloren haben als Personen mit korrigierter Bisslage. Die frühzeitige Behandlung ist daher nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern eine wichtige Investition in die langfristige Zahngesundheit.
Diagnose: Wie wird ein Tiefbiss festgestellt?
Die präzise Diagnose eines tiefen Bisses erfordert eine umfassende kieferorthopädische Untersuchung. Ihr Zahnarzt oder Kieferorthopäde wird verschiedene Analysemethoden kombinieren, um das Ausmaß der Fehlstellung genau zu bestimmen und die optimale Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Klinische Untersuchung
Bei der ersten Untersuchung beurteilt der Kieferorthopäde die Bisslage visuell und misst die Überdeckung der Schneidezähne. Dabei wird unterschieden zwischen:
- Leichter Tiefbiss: 40-60% Überdeckung (4-6 mm)
- Mittlerer Tiefbiss: 60-80% Überdeckung (6-8 mm)
- Schwerer Tiefbiss: Mehr als 80% Überdeckung, untere Schneidezähne berühren Gaumen
Bildgebende Verfahren
Für eine exakte Behandlungsplanung sind bildgebende Verfahren unverzichtbar. Die moderne Kieferorthopädie nutzt heute digitale Technologien, die eine präzise dreidimensionale Analyse ermöglichen:
| Untersuchungsmethode | Zweck | Kosten |
|---|---|---|
| Fernröntgenseitenbild (FRS) | Analyse der skelettalen Verhältnisse und Kieferrelation | 80-150 € |
| Panoramaröntgen (OPG) | Übersicht über alle Zähne, Wurzeln und Kieferknochen | 60-120 € |
| Digitale Volumentomographie (DVT) | 3D-Darstellung bei komplexen Fehlstellungen | 200-400 € |
| Intraoralscanner | Digitaler Abdruck für Behandlungsplanung | Im Behandlungspreis enthalten |
| Funktionsanalyse | Untersuchung der Kiefergelenkfunktion | 150-300 € |
Modellanalyse und digitale Simulation
Moderne Kieferorthopäden erstellen digitale Gebissmodelle, die eine präzise Behandlungsplanung ermöglichen. Mit spezieller Software können Sie bereits vor Behandlungsbeginn sehen, wie Ihr Gebiss nach der Korrektur aussehen wird. Diese Visualisierung hilft nicht nur bei der Entscheidungsfindung, sondern ermöglicht auch eine realistische Einschätzung der Behandlungsdauer.

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Behandlungsmethoden bei Tiefbiss Erwachsene
Die Korrektur eines Tiefbisses bei Erwachsenen gilt als eine der anspruchsvollsten kieferorthopädischen Behandlungen. Anders als bei Kindern und Jugendlichen ist das Kieferwachstum abgeschlossen, sodass die Behandlung ausschließlich durch Zahnbewegungen oder in schweren Fällen durch chirurgische Eingriffe erfolgen muss. Die gute Nachricht: Moderne Behandlungsmethoden ermöglichen auch im Erwachsenenalter hervorragende Ergebnisse.
Festsitzende Zahnspange bei Tiefbiss
Die klassische Tiefbiss Zahnspange mit Brackets und Bögen gilt nach wie vor als Goldstandard bei der Behandlung ausgeprägter Fehlstellungen. Die Methode ist besonders effektiv, weil sie eine präzise dreidimensionale Kontrolle aller Zahnbewegungen ermöglicht.
Behandlungsablauf: Zunächst werden Brackets auf die Zähne geklebt und mit einem Drahtbogen verbunden. Durch spezielle Biegungen im Bogen und den Einsatz von Gummizügen werden die Frontzähne nach oben (Intrusion) und die Seitenzähne nach unten (Extrusion) bewegt. Dieser Prozess reduziert die vertikale Überlappung schrittweise.
Behandlungsdauer: Bei Erwachsenen dauert die Behandlung eines mittelschweren Tiefbisses durchschnittlich 18-30 Monate. Schwere Fälle können 36 Monate oder länger in Anspruch nehmen. Die Behandlung erfordert regelmäßige Kontrolltermine alle 4-6 Wochen.
Vorteile:
- Höchste Präzision bei komplexen Zahnbewegungen
- Bewährte Methode mit vorhersagbaren Ergebnissen
- Auch bei schweren Fehlstellungen einsetzbar
- Keine Compliance des Patienten erforderlich (Brackets sind fest)
Nachteile:
- Sichtbar (außer bei lingualen Brackets an der Innenseite)
- Erschwerte Mundhygiene
- Einschränkungen bei der Ernährung
- Anfängliche Sprachbeeinträchtigung möglich
Tiefbiss Aligner: Unsichtbare Korrektur
Transparente Aligner-Schienen haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und können heute auch bei mittelschweren Tiefbiss-Fällen erfolgreich eingesetzt werden. Die Behandlung mit unsichtbaren Zahnschienen ist besonders bei Erwachsenen beliebt, die eine ästhetische Lösung bevorzugen.
Funktionsweise: Eine Serie maßgefertigter, transparenter Kunststoffschienen bewegt die Zähne schrittweise in die gewünschte Position. Jede Schiene wird etwa 1-2 Wochen getragen und dann durch die nächste ersetzt. Spezielle Attachments (kleine Kunststoffknöpfe) auf den Zähnen ermöglichen auch komplexe Bewegungen wie die Intrusion der Frontzähne.
Behandlungsdauer: Die Dauer variiert je nach Schweregrad zwischen 12 und 24 Monaten. Leichte bis mittelschwere Fälle können oft innerhalb von 15-18 Monaten korrigiert werden. Die Schienen müssen mindestens 20-22 Stunden täglich getragen werden.
Grenzen der Aligner-Therapie: Bei sehr schweren Tiefbissen mit skelettaler Komponente stoßen Aligner an ihre Grenzen. Wenn die Überdeckung mehr als 80% beträgt oder ausgeprägte Kieferfehlstellungen vorliegen, ist oft eine Kombination mit anderen Methoden oder eine festsitzende Apparatur notwendig.
| Kriterium | Festsitzende Zahnspange | Aligner-Therapie |
|---|---|---|
| Ästhetik | Sichtbar (außer Lingualtechnik) | Nahezu unsichtbar |
| Behandlungsdauer | 18-36 Monate | 12-24 Monate |
| Mundhygiene | Erschwert | Normal (Schienen herausnehmbar) |
| Kontrollen | Alle 4-6 Wochen | Alle 8-12 Wochen |
| Eignung bei schwerem Tiefbiss | Sehr gut geeignet | Begrenzt geeignet |
| Kosten | 3.500-6.500 € | 3.800-7.000 € |
Kombinationsbehandlung mit Miniimplantaten
Bei ausgeprägten Tiefbissen setzen Kieferorthopäden zunehmend auf temporäre Miniimplantate als Verankerung. Diese kleinen Titanschrauben werden unter lokaler Betäubung in den Kieferknochen eingesetzt und dienen als fester Ankerpunkt für kieferorthopädische Kräfte.
Vorteile dieser Methode: Die Miniimplantate ermöglichen eine effizientere Intrusion der Frontzähne, ohne dass die Backenzähne als Gegenlager dienen müssen. Dies verkürzt die Behandlungszeit um durchschnittlich 6-8 Monate und führt zu präziseren Ergebnissen. Nach Abschluss der Behandlung werden die Implantate einfach wieder entfernt.
Chirurgische Korrektur bei skelettalen Tiefbissen
Wenn der Tiefbiss primär durch eine ungünstige Kieferrelation verursacht wird – etwa durch einen zu kurzen Unterkiefer oder einen zu langen Oberkiefer – kann eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung notwendig sein. Diese Option kommt vor allem bei Erwachsenen mit sehr ausgeprägten Fehlstellungen in Betracht.
Ablauf: Zunächst erfolgt eine 12-18-monatige kieferorthopädische Vorbehandlung, die die Zähne innerhalb der Kiefer optimal positioniert. Anschließend werden in einem chirurgischen Eingriff die Kieferknochen selbst neu positioniert. Nach einer Heilungsphase von 6-8 Wochen folgt die kieferorthopädische Feineinstellung für weitere 6-12 Monate.
Indikationen: Eine chirurgische Behandlung wird empfohlen bei:
- Skelettaler Diskrepanz von mehr als 8 mm
- Extremem Tiefbiss mit Gaumenkontakt der Unterkieferzähne
- Kombination mit anderen skelettalen Fehlstellungen
- Erfolglosigkeit rein kieferorthopädischer Behandlungsversuche
Die Entscheidung für oder gegen eine Operation wird immer individuell getroffen und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäden und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen.
Tiefbiss Behandlung bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen sind die Behandlungsmöglichkeiten deutlich vielfältiger als bei Erwachsenen, da das Kieferwachstum noch beeinflusst werden kann. Der ideale Behandlungszeitpunkt liegt zwischen dem 9. und 13. Lebensjahr, wenn die bleibenden Zähne durchbrechen und das Wachstum noch aktiv ist.
Funktionskieferorthopädische Geräte
In der frühen Behandlungsphase kommen herausnehmbare funktionskieferorthopädische Geräte zum Einsatz. Diese nutzen die natürlichen Muskelkräfte beim Kauen und Schlucken, um das Kieferwachstum zu lenken.
Aktivator oder Bionator: Diese Geräte werden nachts und einige Stunden tagsüber getragen. Sie halten den Unterkiefer in einer vorgeschobenen Position und fördern so dessen Wachstum. Gleichzeitig hemmen sie das vertikale Wachstum des Oberkiefers. Die Behandlung dauert typischerweise 12-18 Monate und erfordert eine hohe Mitarbeit des Kindes.
Erfolgsaussichten: Bei konsequenter Tragezeit von mindestens 14 Stunden täglich können funktionskieferorthopädische Geräte den Tiefbiss um 3-5 mm reduzieren. Die Erfolgsrate liegt bei motivierten Patienten zwischen 7 und 11 Jahren bei etwa 75%.
Festsitzende Apparaturen in der Jugend
Ab dem 12. Lebensjahr, wenn alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind, kommt meist eine festsitzende Zahnspange zum Einsatz. Bei Jugendlichen verläuft die Behandlung in der Regel schneller als bei Erwachsenen, da die Knochen noch formbarer sind und sich leichter umbauen lassen.
Behandlungsdauer: 15-24 Monate für mittelschwere Fälle, wobei die aktive Wachstumsphase während der Pubertät genutzt wird, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Die Kosten werden bei medizinischer Indikation (KIG 3 oder höher) von der gesetzlichen Krankenversicherung zu 80% übernommen, nach erfolgreichem Abschluss werden die restlichen 20% erstattet.
Frühbehandlung bei ausgeprägtem Tiefbiss
In besonders schweren Fällen kann bereits im Milchgebiss eine Frühbehandlung sinnvoll sein. Wenn die unteren Schneidezähne den Gaumen verletzen oder die Kieferentwicklung stark beeinträchtigt ist, empfehlen Kieferorthopäden einen Behandlungsbeginn bereits ab dem 6. Lebensjahr.
Ziele der Frühbehandlung:
- Schutz des Gaumens vor Verletzungen
- Förderung des Unterkieferwachstums
- Vermeidung von Zahnschäden an den Frontzähnen
- Schaffung günstiger Voraussetzungen für die spätere Hauptbehandlung
Nach einer Frühbehandlungsphase von 12-18 Monaten folgt meist eine Beobachtungsphase, in der das weitere Wachstum kontrolliert wird. Die eigentliche Hauptbehandlung mit festsitzender Apparatur erfolgt dann im Jugendalter.

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Kosten der Tiefbiss-Korrektur: Was Sie 2025 einplanen sollten
Die Kosten einer Tiefbiss Behandlung variieren erheblich je nach Schweregrad der Fehlstellung, gewählter Behandlungsmethode und individuellen Gegebenheiten. Für Erwachsene ist die kieferorthopädische Behandlung grundsätzlich eine Privatleistung, während Kinder und Jugendliche unter bestimmten Voraussetzungen Kassenleistungen erhalten.
Kostenübersicht nach Behandlungsmethoden
| Behandlungsmethode | Dauer | Kosten gesamt | Monatliche Rate (24 Monate) |
|---|---|---|---|
| Festsitzende Zahnspange (Metall-Brackets) | 18-30 Monate | 3.500-6.000 € | 145-250 € |
| Keramik-Brackets (zahnfarben) | 18-30 Monate | 4.500-7.000 € | 190-290 € |
| Linguale Zahnspange (Innenseite) | 20-32 Monate | 7.000-10.000 € | 290-415 € |
| Aligner-Therapie (z.B. Invisalign) | 12-24 Monate | 3.800-7.000 € | 160-290 € |
| Kombinationsbehandlung mit Miniimplantaten | 15-26 Monate | 5.000-8.000 € | 210-335 € |
| Kieferchirurgie (kombiniert) | 30-40 Monate | 12.000-18.000 € | 500-750 € |
Zusätzliche Kosten im Behandlungsverlauf
Neben den Hauptbehandlungskosten sollten Sie weitere Ausgaben einkalkulieren:
- Diagnostik und Behandlungsplanung: 300-600 € (Röntgenbilder, digitale Abdrücke, Funktionsanalyse)
- Retainer zur Stabilisierung: 400-800 € für feste Retainer an Ober- und Unterkiefer
- Professionelle Zahnreinigungen: 80-120 € pro Sitzung, empfohlen alle 3-4 Monate während der Behandlung
- Reparaturen: 50-150 € bei Bracket-Verlust oder beschädigten Alignern
- Nachkontrollen: Meist im Gesamtpreis enthalten, bei manchen Praxen 50-80 € pro Termin
Kassenleistungen für Kinder und Jugendliche
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Die Einstufung erfolgt nach den Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG):
| KIG-Grad | Schweregrad Tiefbiss | Kassenleistung |
|---|---|---|
| KIG 1 | Leichter Tiefbiss (bis 4 mm) | Keine Kostenübernahme |
| KIG 2 | Geringer Tiefbiss (4-6 mm) | Keine Kostenübernahme |
| KIG 3 | Ausgeprägter Tiefbiss (6-8 mm) | 80% sofort, 20% nach Abschluss |
| KIG 4 | Stark ausgeprägter Tiefbiss (über 8 mm) | 80% sofort, 20% nach Abschluss |
| KIG 5 | Extrem stark ausgeprägter Tiefbiss | 80% sofort, 20% nach Abschluss |
Wichtig: Die Kassenleistung deckt nur die medizinisch notwendige Basisversorgung ab. Extras wie zahnfarbene Brackets, beschleunigte Behandlungsmethoden oder besonders komfortable Apparaturen müssen privat bezahlt werden. Hier können zusätzliche Kosten von 500-2.000 € entstehen.
Kostenübernahme für Erwachsene
Für Erwachsene übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen kieferorthopädische Behandlungen nur in Ausnahmefällen – nämlich wenn eine schwere Kieferanomalie vorliegt, die eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung erfordert. In diesen Fällen werden sowohl die Operation als auch die begleitende Kieferorthopädie von der Kasse bezahlt.
Voraussetzungen für Kassenleistung bei Erwachsenen:
- Ausgeprägte skelettale Dysgnathie
- Notwendigkeit einer Kieferoperation
- Gutachten eines Facharztes für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
- Genehmigung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen
Bei rein kieferorthopädischen Behandlungen ohne Operation müssen Erwachsene die Kosten vollständig selbst tragen. Eine hochwertige Zahnzusatzversicherung kann hier einen erheblichen Teil der Kosten übernehmen – je nach Tarif zwischen 50% und 85% der Behandlungskosten.
Finanzierungsmöglichkeiten und Zuschüsse
Die meisten Kieferorthopäden bieten flexible Ratenzahlungsmodelle an, bei denen Sie die Behandlungskosten über die gesamte Behandlungsdauer verteilen können. Üblich sind Laufzeiten von 24-36 Monaten, oft ohne Zinsen oder mit geringer Verzinsung.
Weitere Finanzierungsoptionen:
- Medizinische Kredite spezialisierter Anbieter mit Zinssätzen ab 3,9%
- Steuerliche Absetzbarkeit als außergewöhnliche Belastung (über der zumutbaren Eigenbelastung)
- Zuschüsse durch private Zahnzusatzversicherungen (bei rechtzeitigem Abschluss vor Behandlungsbeginn)
- Sozialfonds oder Stiftungen bei finanzieller Bedürftigkeit
Behandlungsdauer und Behandlungsablauf
Die Korrektur eines Tiefbisses ist ein komplexer Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Je nach Schweregrad und gewählter Methode erstreckt sich die Behandlung über 12 bis 36 Monate. Für ein optimales Ergebnis ist es wichtig, den Behandlungsablauf zu verstehen und aktiv mitzuarbeiten.
Phase 1: Diagnostik und Behandlungsplanung (4-6 Wochen)
Zu Beginn steht eine umfassende Diagnostik. Ihr Kieferorthopäde erstellt Röntgenaufnahmen, digitale Abdrücke und Fotos Ihres Gebisses. Auf Basis dieser Daten wird ein individueller Behandlungsplan entwickelt, der Ihnen bei einem zweiten Termin ausführlich erklärt wird. Sie erhalten eine präzise Kostenaufstellung und können bei Aligner-Behandlungen bereits eine digitale Simulation des Endergebnisses sehen.
Phase 2: Aktive Behandlung (12-30 Monate)
Die eigentliche Behandlung beginnt mit dem Einsetzen der Zahnspange oder der Übergabe der ersten Aligner-Schienen. In den ersten Tagen und Wochen müssen Sie sich an das neue Gefühl im Mund gewöhnen – leichte Druckempfindungen und Sprachveränderungen sind normal und klingen nach 1-2 Wochen ab.
Kontrolltermine: Bei festsitzenden Zahnspangen sind alle 4-6 Wochen Kontrollen notwendig, bei denen die Drähte angepasst und der Behandlungsfortschritt überprüft wird. Aligner-Patienten kommen seltener zur Kontrolle (alle 8-12 Wochen), wechseln die Schienen aber selbstständig zu Hause alle 1-2 Wochen.
Behandlungsphasen bei Tiefbiss:
| Behandlungsphase | Dauer | Maßnahmen | Sichtbare Veränderungen |
|---|---|---|---|
| Nivellierung | 3-6 Monate | Ausrichten der Zahnbögen, Beseitigung von Engständen | Zähne werden gerade, Lücken schließen sich |
| Intrusion der Frontzähne | 6-12 Monate | Obere Schneidezähne werden nach oben bewegt | Vertikale Überlappung verringert sich |
| Extrusion der Seitenzähne | 4-8 Monate | Backenzähne werden nach unten bewegt | Bisshöhe im Seitenbereich erhöht sich |
| Feineinstellung | 2-4 Monate | Optimierung der Verzahnung, Detailkorrekturen | Perfekte Passung aller Zähne |
Phase 3: Retention und Stabilisierung (lebenslang)
Nach Abschluss der aktiven Behandlung beginnt die wichtigste Phase: die Stabilisierung des Ergebnisses. Ohne konsequente Retention besteht ein hohes Risiko für Rückfälle, da die Zähne dazu neigen, in ihre ursprüngliche Position zurückzuwandern.
Retentionsmöglichkeiten:
- Fester Retainer: Ein dünner Draht wird dauerhaft an die Innenseite der Frontzähne geklebt. Diese Methode bietet die höchste Sicherheit und erfordert keine Mitarbeit des Patienten. Der Retainer sollte mindestens 5-10 Jahre, idealerweise lebenslang, getragen werden.
- Herausnehmbarer Retainer: Eine durchsichtige Schiene, die nachts getragen wird. In den ersten 6 Monaten nach Behandlungsende sollte sie jede Nacht getragen werden, danach kann die Tragezeit schrittweise reduziert werden.
- Kombinationsretention: Fester Retainer im Unterkiefer, herausnehmbare Schiene im Oberkiefer – diese Kombination wird am häufigsten empfohlen.
Studien zeigen, dass ohne Retention etwa 60% der Patienten innerhalb von 5 Jahren einen teilweisen Rückfall erleben. Mit konsequenter Stabilisierung liegt die Erfolgsquote dagegen bei über 90%.
Faktoren, die die Behandlungsdauer beeinflussen
Mehrere Faktoren können die Dauer Ihrer Behandlung verlängern oder verkürzen:
- Alter: Bei Jugendlichen verläuft die Behandlung 20-30% schneller als bei Erwachsenen
- Schweregrad: Ein schwerer Tiefbiss mit mehr als 80% Überdeckung benötigt 6-12 Monate länger als ein mittelschwerer Fall
- Mitarbeit: Bei Aligner-Behandlungen ist die konsequente Tragezeit entscheidend – jeder Tag ohne Schienen verlängert die Behandlung
- Knochenqualität: Dichter Knochen verlangsamt die Zahnbewegung
- Begleiterkrankungen: Parodontitis oder Osteoporose können die Behandlung verzögern
- Zusätzliche Fehlstellungen: Kombinierte Anomalien erfordern komplexere Behandlungsstrategien

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Erfolgsaussichten und Langzeitergebnisse
Die gute Nachricht vorweg: Die Erfolgsrate bei der Korrektur eines Tiefbisses liegt bei korrekter Behandlung und konsequenter Mitarbeit bei über 85%. Moderne kieferorthopädische Methoden ermöglichen heute vorhersagbare und stabile Ergebnisse, die nicht nur die Ästhetik, sondern vor allem die Funktion und Gesundheit Ihres Gebisses nachhaltig verbessern.
Was Sie nach erfolgreicher Behandlung erwarten können
Nach Abschluss der Behandlung sollte die vertikale Überlappung der Frontzähne im idealen Bereich von 2-3 mm liegen. Die unteren Schneidezähne berühren nicht mehr den Gaumen, und die Bisslage ist funktionell optimal eingestellt. Viele Patienten berichten von weiteren positiven Veränderungen:
- Ästhetische Verbesserungen: Das Gesichtsprofil wirkt harmonischer, die Unterlippe ist besser positioniert, das Lächeln erscheint offener
- Funktionelle Verbesserungen: Effizienteres Kauen, klarere Aussprache, keine Bissverletzungen mehr
- Gesundheitliche Vorteile: Reduktion von Kopf- und Nackenschmerzen um durchschnittlich 70%, Verbesserung von Kiefergelenksbeschwerden bei 80% der Patienten
- Zahnerhaltung: Deutlich reduzierter Zahnabrieb, geringeres Risiko für Zahnlockerung und vorzeitigen Zahnverlust
Stabilität der Ergebnisse: Langzeitstudien
Eine Langzeitstudie der Universität Bonn, die Patienten über 10 Jahre nach Tiefbiss-Korrektur beobachtete, zeigt ermutigende Ergebnisse: Bei 78% der Patienten blieb das Ergebnis vollständig stabil, bei weiteren 15% kam es zu minimalen Veränderungen von weniger als 1 mm. Nur 7% erlebten einen signifikanten Rückfall, der eine erneute Behandlung erforderlich machte.
Faktoren für langfristige Stabilität:
- Konsequentes Tragen der Retentionsgeräte (wichtigster Faktor)
- Korrektur im Jugendalter zeigt stabilere Ergebnisse als Erwachsenenbehandlung
- Beseitigung von Habits wie Zungenpressen oder Lippenbeißen
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
- Behandlung begleitender Funktionsstörungen
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie bei jeder medizinischen Behandlung gibt es auch bei der Tiefbiss-Korrektur potenzielle Risiken, über die Sie aufgeklärt werden sollten. Die meisten Komplikationen sind jedoch selten und gut behandelbar:
| Komplikation | Häufigkeit | Vorbeugung/Behandlung |
|---|---|---|
| Wurzelresorption (Wurzelverkürzung) | 5-10% (meist minimal) | Schonende Kraftanwendung, regelmäßige Röntgenkontrollen |
| Zahnfleischrückgang | 3-8% | Optimale Mundhygiene, professionelle Zahnreinigungen |
| Karies während Behandlung | 10-15% | Gründliche Zahnpflege, Fluoridierung, Ernährungsberatung |
| Temporäre Kiefergelenksbeschwerden | 8-12% | Physiotherapie, Schienentherapie, meist selbstlimitierend |
| Rückfall nach Behandlung | 7-20% (ohne Retention höher) | Konsequente Retention, lebenslange Stabilisierung |
Wann ist eine Nachbehandlung erforderlich?
In einigen Fällen kann nach Jahren eine Nachbehandlung oder Feinkorrektur notwendig werden. Dies ist kein Zeichen für eine gescheiterte Erstbehandlung, sondern kann verschiedene Ursachen haben:
- Weisheitszähne: Der Durchbruch der Weisheitszähne im frühen Erwachsenenalter kann Druck auf die Zahnreihen ausüben
- Unzureichende Retention: Wenn Retainer verloren gehen oder nicht konsequent getragen werden
- Parodontale Erkrankungen: Fortgeschrittene Parodontitis kann zu Zahnwanderungen führen
- Natürliche Alterungsprozesse: Auch ohne Fehlstellung verändern sich Zähne und Kiefer im Laufe des Lebens leicht
Moderne Nachbehandlungen sind meist deutlich kürzer als die Erstbehandlung und können oft mit Aligner-Systemen durchgeführt werden. Die Dauer beträgt typischerweise 6-12 Monate, die Kosten liegen bei 1.500-3.000 €.
Wichtige Tipps während der Behandlung
Der Erfolg Ihrer Tiefbiss-Behandlung hängt maßgeblich von Ihrer Mitarbeit ab. Mit den richtigen Verhaltensweisen können Sie nicht nur die Behandlungsdauer verkürzen, sondern auch Komplikationen vermeiden und das bestmögliche Ergebnis erzielen.
Mundhygiene bei festsitzender Zahnspange
Die Zahnpflege mit Brackets erfordert mehr Zeit und Sorgfalt als gewohnt. Plaque und Speisereste sammeln sich leicht um die Brackets herum und können zu Karies oder Zahnfleischentzündungen führen. Studien zeigen, dass während kieferorthopädischer Behandlungen das Kariesrisiko um das 2-3-fache erhöht ist – aber nur bei unzureichender Pflege.
Optimale Pflegeroutine:
- Zähneputzen nach jeder Mahlzeit (mindestens 3x täglich für je 3 Minuten)
- Verwendung einer speziellen Ortho-Zahnbürste oder elektrischen Zahnbürste mit Ortho-Aufsatz
- Interdentalbürsten für die Reinigung unter den Drähten
- Fluorid-Mundspülung abends nach dem Zähneputzen
- Professionelle Zahnreinigung alle 3-4 Monate (statt der üblichen 6 Monate)
Ernährung während der kieferorthopädischen Behandlung
Bei festsitzenden Apparaturen sollten Sie bestimmte Lebensmittel meiden, um Schäden an den Brackets zu vermeiden. Besonders in den ersten Wochen nach dem Einsetzen sind die Zähne druckempfindlich, sodass weiche Kost angenehmer ist.
Zu vermeiden:
- Harte Lebensmittel: Nüsse, harte Brotrinde, Eis, Äpfel im Ganzen
- Klebrige Süßigkeiten: Kaugummi, Karamell, Weingummi
- Sehr zuckerhaltige Getränke: Limonaden, gesüßte Säfte (erhöhen Kariesrisiko)
- Extrem heiße oder kalte Speisen (können Drähte verformen)
Empfehlenswert:
- Weiche Früchte in kleinen Stücken
- Gedünstetes Gemüse
- Suppen und Eintöpfe
- Milchprodukte (Joghurt, Quark – gut für die Zahngesundheit)
- Weiches Vollkornbrot
Umgang mit Schmerzen und Druckgefühlen
Leichte Schmerzen und Druckempfindlichkeit sind in den ersten Tagen nach dem Einsetzen der Zahnspange oder nach Drahtaktivierungen völlig normal. Die Beschwerden entstehen durch den biologischen Umbau des Knochens und klingen typischerweise nach 3-5 Tagen ab.
Hilfreiche Maßnahmen:
- Weiche Kost in den ersten Tagen nach Aktivierung
- Bei Bedarf Schmerzmittel (Ibuprofen 400mg oder Paracetamol 500mg nach Rücksprache)
- Kalte Getränke oder Eiswürfel lutschen zur Schmerzlinderung
- Orthodontisches Wachs auf drückende Brackets auftragen
- Salzwasserspülungen bei gereiztem Zahnfleisch (1 TL Salz auf 250ml lauwarmes Wasser)
Wichtig: Starke oder anhaltende Schmerzen über mehr als eine Woche sind nicht normal und sollten umgehend mit Ihrem Kieferorthopäden besprochen werden.
Notfälle während der Behandlung
Gelegentlich können kleinere Zwischenfälle auftreten, die Sie zunächst selbst behandeln können:
| Problem | Sofortmaßnahme | Arztbesuch nötig? |
|---|---|---|
| Bracket abgefallen | Bracket aufbewahren, Termin vereinbaren | Innerhalb 1-2 Wochen |
| Draht sticht | Mit Wachs abdecken, vorsichtig mit Nagelknipser kürzen | Bei nächstem Termin erwähnen |
| Gummizug gerissen | Durch neuen ersetzen (falls Vorrat vorhanden) | Nein, außer bei Unsicherheit |
| Starke Schmerzen | Schmerzmittel, weiche Kost | Ja, wenn länger als 3 Tage |
| Aligner verloren | Vorherigen Aligner tragen, Praxis kontaktieren | Ja, für Ersatz |
Regelmäßige Kontrollen nicht verpassen
Die Einhaltung der Kontrolltermine ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Verpasste Termine verlängern die Gesamtbehandlungsdauer und können zu suboptimalen Ergebnissen führen. Planen Sie die Termine rechtzeitig ein und informieren Sie die Praxis mindestens 48 Stunden im Voraus, falls Sie einen Termin nicht wahrnehmen können.
Alternative und ergänzende Behandlungsansätze
Neben der klassischen kieferorthopädischen Behandlung gibt es ergänzende Therapieansätze, die den Behandlungserfolg unterstützen oder in bestimmten Fällen sogar als Alternative dienen können. Diese Methoden werden oft in Kombination mit der Hauptbehandlung eingesetzt, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Myofunktionelle Therapie
Viele Tiefbiss-Patienten haben ungünstige Muskel- und Schluckmuster entwickelt, die zur Entstehung oder Verschlechterung der Fehlstellung beitragen. Eine myofunktionelle Therapie bei einem spezialisierten Logopäden kann diese Fehlfunktionen korrigieren und so den langfristigen Behandlungserfolg sichern.
Therapieinhalte:
- Zungenruhelage-Training: Die Zunge sollte am Gaumen ruhen, nicht gegen die Zähne drücken
- Korrektur des Schluckmusters: Infantiles Schlucken wird durch erwachsenes Schluckmuster ersetzt
- Lippenmuskulatur-Übungen: Stärkung der Lippenmuskulatur für besseren Mundschluss
- Atemtraining: Förderung der Nasenatmung statt Mundatmung
Die Therapie erstreckt sich über 6-12 Monate mit wöchentlichen Sitzungen und täglichen Übungen zu Hause. Die Kosten liegen bei etwa 40-60 € pro Sitzung und werden teilweise von Krankenkassen übernommen, wenn eine logopädische Verordnung vorliegt.
Physiotherapie bei Kiefergelenksbeschwerden
Wenn der Tiefbiss bereits zu Kiefergelenksproblemen oder muskulären Verspannungen geführt hat, kann eine begleitende physiotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Spezialisierte CMD-Therapeuten (Craniomandibuläre Dysfunktion) kombinieren manuelle Techniken mit Übungen zur Muskelentspannung.
Behandlungsmethoden:
- Manuelle Therapie zur Mobilisierung des Kiefergelenks
- Triggerpunkt-Behandlung verspannter Kaumuskulatur
- Dehnübungen für Nacken- und Kiefermuskulatur
- Wärmeanwendungen zur Entspannung
- Haltungsschulung zur Entlastung des Kausystems
Aufbissschienen als Übergangstherapie
In manchen Fällen wird vor Beginn der eigentlichen kieferorthopädischen Behandlung eine Aufbissschiene eingesetzt. Diese dient dazu, das Kiefergelenk zu entlasten, Verspannungen zu lösen und eine entspannte Kieferposition zu finden, von der aus die kieferorthopädische Korrektur optimal durchgeführt werden kann.
Die Schiene wird meist nachts getragen und kostet zwischen 300 und 600 €. Bei medizinischer Indikation übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine einfache Aufbissschiene.
Beschleunigte Kieferorthopädie
Für Patienten, die eine schnellere Behandlung wünschen, gibt es moderne Verfahren zur Beschleunigung der Zahnbewegung. Diese Methoden können die Behandlungsdauer um 30-50% verkürzen, sind allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden.
AcceleDent/VPro: Vibrationsgeräte, die täglich 20 Minuten angewendet werden und durch Mikrovibrationen den Knochenumbau stimulieren. Kosten: 600-900 €.
Propel oder Wilckodontics: Chirurgische Verfahren, bei denen der Knochen minimal perforiert wird, um die Zahnbewegung zu erleichtern. Diese Methoden sind invasiver, aber sehr effektiv. Kosten: 1.500-3.000 € zusätzlich.
Unterschiede zwischen Behandlung bei Kindern und Erwachsenen
Die Korrektur eines Tiefbisses unterscheidet sich grundlegend, je nachdem ob der Patient noch im Wachstum ist oder das Skelettwachstum bereits abgeschlossen hat. Diese Unterschiede beeinflussen sowohl die Behandlungsmethoden als auch die Erfolgsaussichten und Kosten erheblich.
Biologische Unterschiede
Bei Kindern und Jugendlichen ist der Kieferknochen noch formbar und wächst aktiv. Dies ermöglicht es, nicht nur die Zähne zu bewegen, sondern auch das Kieferwachstum gezielt zu beeinflussen. Der Knochenumbau erfolgt deutlich schneller – Zähne bewegen sich etwa 1,5-mal so schnell wie bei Erwachsenen.
Bei Erwachsenen hingegen ist der Knochen dichter und das Wachstum abgeschlossen. Die Behandlung muss ausschließlich über Zahnbewegungen erfolgen, was bei schweren skelettalen Fehlstellungen manchmal an Grenzen stößt. Der biologische Umbau dauert länger, und das Rückfallrisiko ist etwas höher.
Behandlungsoptionen im Vergleich
| Aspekt | Kinder/Jugendliche | Erwachsene |
|---|---|---|
| Funktionskieferorthopädie | Sehr effektiv, erste Wahl bei skelettalen Ursachen | Nicht möglich (Wachstum abgeschlossen) |
| Festsitzende Zahnspange | Standard-Methode, schnelle Ergebnisse | Möglich, längere Behandlungsdauer |
| Aligner-Therapie | Bei leichten bis mittleren Fällen geeignet | Beliebte Option, gute Erfolgsrate |
| Kieferchirurgie | Nur in extremen Ausnahmefällen | Bei schweren skelettalen Fällen Option |
| Behandlungsdauer | 12-24 Monate | 18-36 Monate |
| Stabilität nach Behandlung | Sehr gut bei Wachstumsnutzung | Gut, aber konsequente Retention wichtiger |
Kostenunterschiede
Der größte Unterschied liegt in der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. Während Kinder und Jugendliche bei medizinischer Indikation (KIG 3-5) eine Kassenleistung erhalten, müssen Erwachsene die Behandlung vollständig privat finanzieren – es sei denn, es liegt eine schwere Kieferanomalie vor, die eine Operation erfordert.
Eine hochwertige Zahnzusatzversicherung kann für Erwachsene daher eine erhebliche finanzielle Entlastung bedeuten. Wichtig ist jedoch, die Versicherung rechtzeitig vor Behandlungsbeginn abzuschließen, da laufende oder bereits geplante Behandlungen nicht versichert werden können.
Psychologische Aspekte
Auch die psychologische Dimension unterscheidet sich: Jugendliche sind oft motivierter, da viele ihrer Altersgenossen ebenfalls eine Zahnspange tragen. Erwachsene hingegen empfinden die Behandlung häufig als belastender, profitieren aber von ihrer höheren Compliance und Verantwortung für die eigene Gesundheit.
Die Entwicklung ästhetischer Behandlungsoptionen wie Keramik-Brackets, linguale Zahnspangen oder Aligner hat die Akzeptanz bei Erwachsenen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Etwa 25% aller kieferorthopädischen Patienten in Deutschland sind heute über 18 Jahre alt – Tendenz steigend.

Ob Kind oder Erwachsener – wir finden die passende Absicherung für Ihre Kieferorthopädie-Behandlung
Prävention: Kann man einem Tiefbiss vorbeugen?
Während genetische Faktoren nicht beeinflussbar sind, können Sie durch frühzeitige Maßnahmen das Risiko für die Entwicklung oder Verschlechterung eines Tiefbisses deutlich reduzieren. Besonders bei Kindern ist Prävention der Schlüssel zu einer gesunden Gebissentwicklung.
Frühe Vorsorge bei Kindern
Die Weichen für eine gesunde Gebissentwicklung werden bereits im Kleinkindalter gestellt. Eltern sollten auf folgende Aspekte achten:
- Schnuller- und Daumenlutschen: Gewöhnen Sie Ihr Kind spätestens bis zum 3. Geburtstag vom Schnuller ab. Langanhaltende Lutschgewohnheiten können die Kieferentwicklung negativ beeinflussen und einen Tiefbiss begünstigen.
- Frühzeitige Zahnarztbesuche: Der erste Zahnarztbesuch sollte mit Durchbruch des ersten Milchzahns erfolgen. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Fehlentwicklungen.
- Erhalt der Milchzähne: Milchzähne dienen als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Bei vorzeitigem Verlust sollte ein Lückenhalter eingesetzt werden.
- Nasenatmung fördern: Chronische Mundatmung durch vergrößerte Mandeln oder Allergien sollte frühzeitig behandelt werden, da sie die Kieferentwicklung beeinträchtigt.
Kieferorthopädisches Screening im Schulalter
Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie empfiehlt eine erste kieferorthopädische Untersuchung im Alter von 7-8 Jahren, auch wenn noch keine offensichtlichen Probleme bestehen. Zu diesem Zeitpunkt sind die ersten bleibenden Backenzähne und Schneidezähne durchgebrochen, sodass Fehlentwicklungen erkannt werden können.
Vorteile der Früherkennung:
- Möglichkeit zur Wachstumssteuerung im optimalen Zeitfenster
- Oft kürzere und einfachere Behandlung als bei späterem Beginn
- Vermeidung von Folgeschäden an Zähnen und Kiefergelenk
- Geringere Gesamtkosten durch frühzeitige Intervention
Prävention bei Erwachsenen
Auch wenn der Tiefbiss bereits besteht, können Sie einer Verschlechterung vorbeugen und Folgeschäden minimieren:
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Mindestens zweimal jährlich zur Früherkennung von Abnutzungserscheinungen
- Professionelle Zahnreinigung: Alle 6 Monate zur Vorbeugung von Parodontitis, die einen Tiefbiss verschlimmern kann
- Zähneknirschen behandeln: Bei nächtlichem Bruxismus sollte eine Aufbissschiene getragen werden
- Zahnlücken schließen: Fehlende Zähne sollten zeitnah durch Implantate oder Brücken ersetzt werden
- Gesunde Lebensweise: Ausgewogene Ernährung und Verzicht auf Rauchen fördern die Knochengesundheit
Rolle der Zahnzusatzversicherung in der Prävention
Eine gute Zahnzusatzversicherung unterstützt nicht nur bei der Behandlung, sondern auch bei der Prävention. Viele Tarife übernehmen Kosten für professionelle Zahnreinigungen, Funktionsanalysen und Aufbissschienen, die zur Vorbeugung von Folgeschäden eines Tiefbisses beitragen können. Der rechtzeitige Abschluss einer Versicherung – idealerweise bevor Probleme auftreten – ist daher eine wichtige Investition in Ihre langfristige Zahngesundheit.
Häufig gestellte Fragen zu Tiefbiss korrigieren: Behandlung des vertikalen Überbisses
Kann sich ein Tiefbiss von selbst wieder zurückbilden?
Nein, ein Tiefbiss bildet sich nicht von selbst zurück. Im Gegenteil: Ohne Behandlung verschlimmert sich die Fehlstellung meist im Laufe der Zeit durch fortschreitenden Zahnabrieb und Anpassungsvorgänge im Kausystem. Bei Kindern besteht während der Wachstumsphase theoretisch die Möglichkeit einer leichten Verbesserung, wenn ungünstige Habits wie Daumenlutschen abgestellt werden. In den allermeisten Fällen ist jedoch eine aktive kieferorthopädische Behandlung notwendig, um den Tiefbiss zu korrigieren und Folgeschäden zu vermeiden.
Wie schmerzhaft ist die Behandlung eines Tiefbisses?
Die Behandlung selbst ist nicht schmerzhaft, kann aber in den ersten Tagen nach dem Einsetzen der Zahnspange oder nach Drahtaktivierungen zu Druckgefühlen und leichten Schmerzen führen. Diese Beschwerden sind normal und entstehen durch den biologischen Umbau des Knochens. Sie klingen typischerweise nach 3-5 Tagen ab. Die meisten Patienten beschreiben die Empfindung als “unangenehmen Druck” eher als als echten Schmerz. Bei Bedarf können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol die Beschwerden lindern. Nach einer Eingewöhnungsphase von 2-3 Wochen gewöhnen sich die meisten Patienten an die Apparatur und haben keine Beschwerden mehr.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Tiefbiss-Behandlung bei Erwachsenen?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt kieferorthopädische Behandlungen bei Erwachsenen nur in Ausnahmefällen – nämlich wenn eine schwere Kieferanomalie vorliegt, die eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung erfordert. Rein kieferorthopädische Behandlungen ohne Operation sind für Erwachsene Privatleistungen und müssen selbst finanziert werden. Eine Zahnzusatzversicherung mit Kieferorthopädie-Baustein kann hier erhebliche Teile der Kosten übernehmen – je nach Tarif zwischen 50% und 85% der Behandlungskosten. Wichtig ist, die Versicherung vor Behandlungsbeginn abzuschließen, da bereits diagnostizierte oder laufende Behandlungen nicht versichert werden können.
Wie lange dauert die Behandlung eines schweren Tiefbisses?
Die Behandlungsdauer hängt vom Schweregrad des Tiefbisses und dem Alter des Patienten ab. Bei Jugendlichen dauert die Korrektur eines schweren Tiefbisses durchschnittlich 24-30 Monate, bei Erwachsenen 30-36 Monate oder länger. In besonders komplexen Fällen mit skelettaler Komponente, die eine chirurgische Behandlung erfordern, kann die Gesamtbehandlung inklusive Vor- und Nachbehandlung 36-48 Monate in Anspruch nehmen. Faktoren wie die konsequente Mitarbeit des Patienten, die Tragezeit bei Aligner-Behandlungen und die biologische Reaktion des Knochens beeinflussen die Dauer ebenfalls. Nach der aktiven Behandlung folgt die lebenslange Retentionsphase zur Stabilisierung des Ergebnisses.
Kann man einen Tiefbiss auch ohne Zahnspange korrigieren?
Bei leichten Tiefbissen können in seltenen Fällen alternative Methoden wie Aufbaurestaurationen auf den Backenzähnen oder myofunktionelle Therapie zu einer gewissen Verbesserung führen. Bei mittelschweren bis schweren Fällen ist jedoch eine kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspange oder Alignern unverzichtbar. Moderne Aligner-Systeme bieten eine nahezu unsichtbare Alternative zur klassischen Zahnspange und können bei vielen Tiefbiss-Fällen erfolgreich eingesetzt werden. Bei sehr ausgeprägten skelettalen Tiefbissen kann zusätzlich eine chirurgische Korrektur der Kieferposition notwendig sein. Eine rein konservative Behandlung ohne aktive Zahnbewegung ist bei echten Tiefbissen nicht erfolgversprechend.
Welche Risiken bestehen, wenn ein Tiefbiss nicht behandelt wird?
Ein unbehandelter Tiefbiss kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen. Die häufigsten Folgen sind: übermäßiger Zahnabrieb an den Frontzähnen (bis zu dreimal schneller als normal), Verletzungen des Gaumens durch die unteren Schneidezähne, Kiefergelenksbeschwerden (CMD) mit Schmerzen und eingeschränkter Mundöffnung, chronische Kopf- und Nackenschmerzen durch Muskelverspannungen, erhöhtes Parodontitis-Risiko durch ungünstige Belastungsverhältnisse sowie vorzeitiger Zahnverlust durch Überlastung. Studien zeigen, dass unbehandelte Tiefbiss-Patienten im Alter von 50 Jahren durchschnittlich 2,3 Zähne mehr verloren haben als Personen mit korrigierter Bisslage. Die frühzeitige Behandlung ist daher eine wichtige Investition in die langfristige Zahngesundheit.
Ab welchem Alter sollte ein Tiefbiss bei Kindern behandelt werden?
Der optimale Behandlungszeitpunkt hängt vom Schweregrad und der Ursache des Tiefbisses ab. Eine erste kieferorthopädische Untersuchung wird im Alter von 7-8 Jahren empfohlen, auch wenn noch keine offensichtlichen Probleme bestehen. Bei schweren Tiefbissen mit Gaumenverletzungen kann bereits im Milchgebiss (ab 6 Jahren) eine Frühbehandlung sinnvoll sein. Die Hauptbehandlung mit funktionskieferorthopädischen Geräten erfolgt idealerweise zwischen dem 9. und 13. Lebensjahr, wenn das Wachstum noch aktiv ist und gezielt beeinflusst werden kann. Festsitzende Zahnspangen werden meist ab dem 12. Lebensjahr eingesetzt, wenn alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind. Je früher eine Fehlstellung erkannt wird, desto einfacher und kürzer ist oft die Behandlung.
Sind Aligner bei Tiefbiss genauso effektiv wie eine feste Zahnspange?
Moderne Aligner-Systeme haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und können heute bei leichten bis mittelschweren Tiefbissen sehr gute Ergebnisse erzielen. Durch spezielle Attachments und optimierte Kraftsysteme ist auch die Intrusion von Frontzähnen möglich – eine Bewegung, die für die Tiefbiss-Korrektur entscheidend ist. Bei schweren Tiefbissen mit mehr als 80% Überdeckung oder ausgeprägten skelettalen Komponenten stoßen Aligner jedoch an ihre Grenzen. In diesen Fällen ist eine festsitzende Zahnspange die bessere Wahl, da sie präzisere dreidimensionale Kontrolle ermöglicht. Die Entscheidung zwischen Aligner und fester Zahnspange sollte nach gründlicher Diagnostik individuell getroffen werden. Ihr Kieferorthopäde kann anhand digitaler Simulationen zeigen, welche Methode in Ihrem Fall die besten Ergebnisse verspricht.
Was passiert nach Abschluss der aktiven Behandlung?
Nach Abschluss der aktiven Behandlungsphase beginnt die Retentionsphase, die für den langfristigen Erfolg entscheidend ist. Ohne konsequente Stabilisierung besteht ein hohes Risiko für Rückfälle, da die Zähne dazu neigen, in ihre ursprüngliche Position zurückzuwandern. Typischerweise wird ein fester Retainer an die Innenseite der Frontzähne geklebt, der dauerhaft (mindestens 5-10 Jahre, idealerweise lebenslang) getragen werden sollte. Zusätzlich erhalten Sie eine herausnehmbare Retentionsschiene für nachts. In den ersten 6 Monaten nach Behandlungsende sollte diese jeden Abend getragen werden, danach kann die Tragezeit schrittweise reduziert werden. Regelmäßige Kontrolltermine alle 6-12 Monate stellen sicher, dass das Ergebnis stabil bleibt und der Retainer intakt ist.
Kann ein Tiefbiss auch im hohen Erwachsenenalter noch korrigiert werden?
Ja, eine Tiefbiss-Korrektur ist grundsätzlich in jedem Alter möglich, solange die Zähne und das Zahnfleisch gesund sind. Auch Patienten über 50 oder 60 Jahre können erfolgreich behandelt werden. Allerdings verläuft die Behandlung bei älteren Erwachsenen langsamer, da der Knochenumbau mit zunehmendem Alter träger wird. Die Behandlungsdauer kann sich um 20-40% verlängern. Zudem ist das Risiko für Begleiterkrankungen wie Parodontitis höher, die vor oder während der kieferorthopädischen Behandlung therapiert werden müssen. Bei guter Mundhygiene und gesundem Zahnhalteapparat sind die Erfolgsaussichten jedoch auch im höheren Alter sehr gut. Viele ältere Patienten entscheiden sich für eine Behandlung, um Folgeschäden zu vermeiden und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Wie hoch ist das Risiko für einen Rückfall nach der Behandlung?
Das Rückfallrisiko hängt maßgeblich von der konsequenten Retention ab. Ohne Stabilisierung erleben etwa 60% der Patienten innerhalb von 5 Jahren einen teilweisen Rückfall. Mit konsequenter Retention liegt die Erfolgsquote dagegen bei über 90%. Besonders kritisch sind die ersten 6-12 Monate nach Behandlungsende, in denen die Zähne noch nicht fest in ihrer neuen Position verankert sind. Faktoren, die das Rückfallrisiko erhöhen, sind: unzureichendes Tragen der Retentionsgeräte, Verlust des festen Retainers ohne Ersatz, Parodontitis, Zähneknirschen und der Durchbruch von Weisheitszähnen. Mit lebenslanger Retention durch feste Retainer und gelegentlichem nächtlichen Tragen einer Schiene können Sie das Risiko minimieren. Regelmäßige Kontrolltermine beim Kieferorthopäden helfen, beginnende Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
Fazit: Tiefbiss-Korrektur als Investition in langfristige Zahngesundheit
Die Korrektur eines Tiefbisses ist mehr als eine ästhetische Behandlung – sie ist eine wichtige Investition in Ihre langfristige Zahn- und Kiefergesundheit. Mit modernen kieferorthopädischen Methoden lassen sich heute hervorragende und stabile Ergebnisse erzielen, die nicht nur Ihr Aussehen verbessern, sondern vor allem Folgeschäden wie Zahnabrieb, Kiefergelenksprobleme und vorzeitigen Zahnverlust verhindern.
Die Behandlung erfordert Geduld und Mitarbeit, zahlt sich aber langfristig aus: Studien belegen, dass Patienten mit korrigiertem Tiefbiss im Alter deutlich weniger Zahnprobleme haben und ihre natürlichen Zähne länger erhalten können. Die Kosten mögen zunächst hoch erscheinen, doch im Vergleich zu den potenziellen Folgekosten eines unbehandelten Tiefbisses – von aufwändigen Zahnkronen über Implantate bis hin zu komplexen Kiefergelenksbehandlungen – ist die kieferorthopädische Korrektur die wirtschaftlichere Wahl.
Besonders wichtig ist der richtige Zeitpunkt: Bei Kindern und Jugendlichen können Sie das natürliche Wachstum nutzen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Aber auch als Erwachsener ist es nie zu spät, einen Tiefbiss korrigieren zu lassen. Moderne Behandlungsmethoden wie Aligner-Systeme machen die Behandlung heute komfortabler und ästhetischer als je zuvor.
Wenn Sie vermuten, dass Sie oder Ihr Kind einen Tiefbiss haben, sollten Sie nicht zögern, einen Kieferorthopäden zu konsultieren. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann nicht nur die Behandlungsdauer verkürzen, sondern auch die Kosten reduzieren und bessere Langzeitergebnisse ermöglichen. Informieren Sie sich zudem über die Möglichkeiten einer Zahnzusatzversicherung, die einen erheblichen Teil der Behandlungskosten übernehmen kann – vorausgesetzt, Sie schließen sie rechtzeitig vor Behandlungsbeginn ab.

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Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über die Behandlung von Tiefbiss und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung durch einen qualifizierten Kieferorthopäden oder Zahnarzt. Jeder Behandlungsfall ist einzigartig und erfordert eine persönliche Diagnostik und Behandlungsplanung. Die genannten Kosten und Behandlungsdauern sind Durchschnittswerte und können im Einzelfall abweichen. Konsultieren Sie bei Fragen zu Ihrer Zahngesundheit immer einen Facharzt. Stand: 2025


