Offener Biss: Ursachen und Therapie im Erwachsenenalter

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Ein offener Biss kann weit mehr als nur ein ästhetisches Problem darstellen – er beeinträchtigt die Kaufunktion, die Aussprache und langfristig die gesamte Zahngesundheit. Etwa 2-4% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden unter dieser Kieferfehlstellung, bei der die oberen und unteren Frontzähne beim Zusammenbeißen keinen Kontakt zueinander haben. Die gute Nachricht: Auch im Erwachsenenalter lässt sich ein offener Biss erfolgreich behandeln. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Ursachen, moderne Behandlungsmethoden, Kosten und wie Sie die beste Therapie für Ihre individuelle Situation finden.

Was ist ein offener Biss und wie erkennt man ihn?

Ein offener Biss (medizinisch: Apertognathie) ist eine Zahnfehlstellung, bei der zwischen den oberen und unteren Zahnreihen eine vertikale Lücke besteht, wenn die Kiefer geschlossen sind. Diese Fehlstellung kann sowohl im Frontzahnbereich als auch seitlich auftreten und unterschiedliche Ausprägungen haben.

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden bei einer klinischen Untersuchung. Typische Anzeichen sind:

  • Sichtbarer Spalt zwischen oberen und unteren Schneidezähnen beim Zubeißen
  • Schwierigkeiten beim Abbeißen von Nahrung, insbesondere bei Äpfeln oder Sandwiches
  • Veränderte Aussprache, besonders bei Zischlauten (S, Z, Sch)
  • Häufiges Kauen mit den Seitenzähnen und Meidung der Frontzähne
  • Trockener Mund durch ständig geöffnete Lippenstellung
  • Verspannungen im Kieferbereich und Kopfschmerzen

Frontal offener Biss vs. seitlich offener Biss

Die häufigste Form ist der frontal offene Biss, bei dem die Schneidezähne keinen Kontakt haben. Beim seitlich offenen Biss hingegen besteht die Lücke im Bereich der Backen- oder Seitenzähne, während die Frontzähne normal aufeinandertreffen. Der seitlich offene Biss ist deutlich seltener und meist auf einseitige Entwicklungsstörungen oder Gewohnheiten zurückzuführen.

Merkmal Frontal offener Biss Seitlich offener Biss
Häufigkeit Etwa 90% der Fälle Etwa 10% der Fälle
Betroffene Zähne Schneidezähne, manchmal Eckzähne Prämolaren und Molaren
Hauptproblem Abbeißen, Aussprache, Ästhetik Kauen, einseitige Belastung
Typische Ursache Daumenlutschen, Zungenpressen Einseitige Kieferentwicklung
Behandlungsdauer 18-36 Monate 12-24 Monate

Ursachen eines offenen Bisses bei Erwachsenen

Die Entstehung eines offenen Bisses ist multifaktoriell und häufig das Ergebnis einer Kombination verschiedener Einflüsse. Während bei Kindern oft noch Wachstumsprozesse eine Rolle spielen, sind bei Erwachsenen meist verfestigte Gewohnheiten oder anatomische Besonderheiten die Hauptursachen.

Angeborene und entwicklungsbedingte Faktoren

Genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Kieferfehlstellungen. Wenn Eltern oder Geschwister einen offenen Biss haben, steigt das Risiko deutlich. Etwa 30-40% der Fälle haben eine erbliche Komponente. Auch Wachstumsstörungen des Kiefers während der Kindheit und Jugend können sich bis ins Erwachsenenalter manifestieren.

Skelettale Anomalien wie ein zu langes Gesicht (Long-Face-Syndrom) oder ein zu steiler Kieferwinkel begünstigen die Entwicklung eines offenen Bisses. Diese anatomischen Besonderheiten führen dazu, dass die Kiefer nicht in der optimalen Position zueinander stehen.

Gewohnheiten und Verhaltensweisen

Selbst im Erwachsenenalter können bestimmte Angewohnheiten einen offenen Biss verursachen oder verschlimmern:

  • Zungenpressen: Das ständige Drücken der Zunge gegen die Frontzähne ist die häufigste Ursache bei Erwachsenen. Diese Gewohnheit kann unbewusst beim Schlucken, Sprechen oder in Ruhephasen auftreten.
  • Mundatmung: Chronische Mundatmung durch verstopfte Nase oder Allergien führt zu einer veränderten Zungenposition und kann langfristig die Kieferentwicklung beeinflussen.
  • Lippen- oder Zungenpiercings: Der konstante Druck von Piercings auf die Zähne kann über Jahre hinweg zu Zahnbewegungen führen.
  • Nägelkauen oder Stiftkauen: Diese Angewohnheiten üben ungleichmäßigen Druck auf die Zähne aus.

Medizinische und anatomische Ursachen

Verschiedene medizinische Bedingungen können zur Entstehung eines offenen Bisses beitragen. Chronisch vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide) oder Gaumenmandeln zwingen zur Mundatmung und verändern die Zungenposition. Allergien und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen haben einen ähnlichen Effekt.

Auch temporomandibuläre Dysfunktionen (TMD) oder Kiefergelenksprobleme können die Bissposition verändern. In seltenen Fällen führen Tumore oder Zysten im Kieferbereich zu asymmetrischem Wachstum und damit zu einem offenen Biss.

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Folgen und Komplikationen eines unbehandelten offenen Bisses

Ein unbehandelter offener Biss bei Erwachsenen ist mehr als nur ein kosmetisches Problem. Die Auswirkungen betreffen die gesamte Mundgesundheit und können sich auf die Lebensqualität auswirken.

Funktionelle Beeinträchtigungen

Die eingeschränkte Kaufunktion ist die offensichtlichste Folge. Betroffene können Nahrung nicht effektiv mit den Frontzähnen abbeißen und müssen die Seitenzähne übermäßig belasten. Dies führt zu vorzeitigem Verschleiß der Backenzähne und erhöhtem Risiko für Zahnschäden. Studien zeigen, dass Menschen mit offenem Biss durchschnittlich 40% länger für das Kauen benötigen als Menschen mit normalem Biss.

Die Aussprache leidet ebenfalls: Etwa 65% der Erwachsenen mit frontal offenem Biss haben Schwierigkeiten mit der korrekten Artikulation von Zischlauten. Dies kann im beruflichen Kontext, besonders bei Präsentationen oder Kundenkontakt, zu Unsicherheit führen.

Zahnmedizinische Probleme

Die ungleiche Belastungsverteilung führt zu verschiedenen Komplikationen:

Problem Häufigkeit bei offenem Biss Langfristige Folge
Überlastung der Seitenzähne 85% Vorzeitiger Zahnverschleiß, Risse
Kiefergelenksprobleme 45-60% TMD, Kopfschmerzen, Knacken
Parodontitis 35% Zahnfleischrückgang, Zahnverlust
Mundtrockenheit 70% Erhöhtes Kariesrisiko, Mundgeruch
Zahnfleischentzündungen 55% Gingivitis, Zahnfleischbluten

Die chronische Mundatmung bei offenem Biss trocknet die Mundschleimhaut aus und reduziert die Schutzfunktion des Speichels. Dies erhöht das Kariesrisiko um etwa 40% im Vergleich zu Menschen mit normalem Biss.

Psychosoziale Auswirkungen

Nicht zu unterschätzen sind die psychologischen Folgen. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie aus 2024 ergab, dass 58% der Erwachsenen mit sichtbarem offenem Biss unter Selbstbewusstseinsproblemen leiden. Viele vermeiden es zu lächeln oder fühlen sich in sozialen Situationen unwohl. Dies kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sogar zu depressiven Verstimmungen führen.

Beruflich kann ein ausgeprägter offener Biss ebenfalls Nachteile bringen, besonders in Berufen mit viel Kundenkontakt oder öffentlichen Auftritten. Die veränderte Aussprache und das sichtbare ästhetische Problem werden von Betroffenen häufig als Karrierehemmnis wahrgenommen.

Diagnose und Untersuchungsmethoden

Eine präzise Diagnose ist die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung des offenen Bisses. Die moderne Kieferorthopädie nutzt verschiedene Untersuchungsmethoden, um das Ausmaß der Fehlstellung zu bestimmen und die optimale Therapie zu planen.

Klinische Untersuchung

Der erste Schritt ist immer die klinische Untersuchung durch einen Kieferorthopäden oder spezialisierten Zahnarzt. Dabei werden folgende Aspekte bewertet:

  • Ausmaß der vertikalen Lücke (in Millimetern gemessen)
  • Betroffene Zahnbereiche (frontal, seitlich, einseitig, beidseitig)
  • Zungenposition und Schluckmuster
  • Lippen- und Gesichtsmuskulatur
  • Kiefergelenksfunktion und Beweglichkeit
  • Vorhandene Gewohnheiten wie Zungenpressen

Die Messung der vertikalen Dimension ist dabei besonders wichtig. Ein offener Biss wird ab einer Lücke von 2 mm als behandlungsbedürftig eingestuft. Bei Erwachsenen liegt der Durchschnitt bei behandlungsbedürftigen Fällen zwischen 3 und 7 mm.

Bildgebende Verfahren

Für eine umfassende Analyse sind bildgebende Verfahren unverzichtbar. Das Fernröntgenseitenbild (FRS) zeigt die skelettalen Verhältnisse und ermöglicht eine genaue Vermessung der Kieferwinkel und Zahnpositionen. Diese Aufnahme ist Standard in der kieferorthopädischen Diagnostik und kostet zwischen 50 und 80 Euro.

Die digitale Volumentomographie (DVT) bietet dreidimensionale Einblicke in die Kieferstruktur und ist besonders wertvoll bei komplexen Fällen oder wenn eine chirurgische Behandlung geplant wird. Die Kosten liegen hier zwischen 200 und 400 Euro.

Moderne Praxen setzen zunehmend auf 3D-Scans der Zahnreihen, die präzise digitale Modelle erstellen. Diese ermöglichen eine detaillierte Behandlungsplanung und Visualisierung des zu erwartenden Ergebnisses.

Funktionsanalyse

Eine umfassende Funktionsanalyse untersucht das Zusammenspiel von Zähnen, Kiefergelenken und Kaumuskulatur. Dies ist besonders wichtig, da ein offener Biss häufig mit Kiefergelenksproblemen einhergeht. Die Analyse umfasst Bewegungstests, Muskelpalation und oft auch eine instrumentelle Vermessung der Kiefergelenksbewegungen.

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Behandlungsmöglichkeiten für offenen Biss bei Erwachsenen

Die Behandlung eines offenen Bisses im Erwachsenenalter erfordert einen individuellen Ansatz, der auf die spezifische Ursache und Ausprägung abgestimmt ist. Im Gegensatz zu Kindern und Jugendlichen ist bei Erwachsenen das Knochenwachstum abgeschlossen, was die Behandlung anspruchsvoller macht, aber keineswegs unmöglich.

Kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspange

Die kieferorthopädische Therapie ist bei leichten bis mittelschweren Fällen die erste Wahl. Eine offener Biss Zahnspange kann sowohl als festsitzende Apparatur (Brackets) als auch als transparente Schienen (Aligner) eingesetzt werden.

Festsitzende Zahnspangen: Moderne Multiband-Apparaturen mit speziellen Mechaniken können Zähne auch vertikal bewegen und so den offenen Biss schließen. Die Behandlung dauert im Durchschnitt 24 bis 36 Monate. Besonders effektiv sind Mini-Schrauben (temporäre Verankerungsimplantate), die zusätzliche Verankerung bieten und präzise Zahnbewegungen ermöglichen. Diese werden im Knochen verankert und nach der Behandlung wieder entfernt.

Transparente Aligner: Systeme wie Invisalign haben sich auch bei der Behandlung offener Bisse bewährt, besonders bei Fällen mit einer Lücke bis 5 mm. Die Vorteile liegen in der Ästhetik und dem Komfort. Allerdings erfordert die Behandlung sehr hohe Disziplin, da die Schienen mindestens 22 Stunden täglich getragen werden müssen. Die Behandlungsdauer liegt bei 18 bis 30 Monaten.

Behandlungsart Eignung Dauer Kosten Vorteile
Feste Zahnspange Leicht bis schwer 24-36 Monate 4.000-8.000 € Sehr präzise, konstante Wirkung
Aligner (z.B. Invisalign) Leicht bis mittel 18-30 Monate 5.000-9.000 € Ästhetisch, herausnehmbar
Lingualspange Leicht bis schwer 24-36 Monate 7.000-12.000 € Unsichtbar, sehr effektiv
Mit Mini-Schrauben Mittel bis schwer 20-32 Monate +500-1.200 € Bessere Verankerung, schneller

Myofunktionelle Therapie

Eine begleitende myofunktionelle Therapie ist bei fast allen Erwachsenen mit offenem Biss essenziell. Diese logopädische Behandlung trainiert die Zungen- und Lippenmuskulatur und korrigiert fehlerhafte Schluck- und Sprachmuster. Ohne diese Therapie liegt die Rückfallquote bei bis zu 50%, da die ursprünglichen Gewohnheiten die Zähne wieder in die Fehlstellung drücken können.

Die Therapie umfasst typischerweise 10 bis 20 Sitzungen über mehrere Monate. Geübt werden korrekte Zungenposition, physiologisches Schlucken und Lippentonus. Die Kosten liegen zwischen 600 und 1.200 Euro und werden teilweise von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt.

Chirurgische Behandlung (Kieferoperation)

Bei schweren skelettalen Fehlstellungen ist eine offener Biss OP oft die einzige Lösung. Die orthognathe Chirurgie korrigiert die Position der Kieferknochen selbst und wird in Vollnarkose durchgeführt. Diese Behandlung kommt in Frage, wenn:

  • Die vertikale Lücke mehr als 7-8 mm beträgt
  • Ein stark ausgeprägtes Long-Face-Syndrom vorliegt
  • Kieferorthopädische Maßnahmen allein nicht ausreichen
  • Erhebliche funktionelle Probleme bestehen

Der typische Ablauf einer offener Biss OP umfasst mehrere Phasen. Zunächst erfolgt eine präoperative kieferorthopädische Behandlung (6-12 Monate), um die Zähne optimal auszurichten. Die eigentliche Operation dauert 2-4 Stunden. Dabei wird meist der Oberkiefer nach oben verlagert (Le Fort I Osteotomie), manchmal in Kombination mit einer Unterkieferoperation.

Nach der OP folgt eine postoperative kieferorthopädische Feineinstellung (3-6 Monate). Die Gesamtbehandlungszeit beträgt also 12-24 Monate. Die Erfolgsrate liegt bei über 90%, und das Ergebnis ist in der Regel stabil.

Kombinierte Behandlungsansätze

In vielen Fällen wird ein kombinierter Ansatz gewählt, der mehrere Methoden vereint. Die Kombination aus Kieferorthopädie, myofunktioneller Therapie und gegebenenfalls chirurgischer Korrektur bietet die besten Langzeitergebnisse. Auch die Behandlung von Begleitproblemen wie anderen Kieferfehlstellungen oder Atemwegsproblemen ist wichtig für den Gesamterfolg.

Behandlungsdauer und Erfolgsprognose

Die Behandlungsdauer eines offenen Bisses bei Erwachsenen variiert erheblich je nach Schweregrad und gewählter Methode. Realistische Erwartungen sind wichtig, da die Behandlung Geduld und Durchhaltevermögen erfordert.

Faktoren, die die Behandlungsdauer beeinflussen

Mehrere Faktoren bestimmen, wie lange die Behandlung dauert:

  • Schweregrad der Fehlstellung: Eine Lücke von 2-3 mm lässt sich deutlich schneller schließen als eine von 7-8 mm
  • Alter des Patienten: Bei jüngeren Erwachsenen (18-30 Jahre) bewegen sich Zähne schneller als bei älteren
  • Knochenqualität: Dichter Knochen verlangsamt die Zahnbewegung
  • Compliance: Die konsequente Mitarbeit des Patienten ist entscheidend, besonders bei Alignern und myofunktioneller Therapie
  • Begleitprobleme: Parodontitis oder andere Zahnprobleme müssen erst behandelt werden

Im Durchschnitt müssen Erwachsene mit folgenden Behandlungszeiten rechnen:

Schweregrad Lückengröße Kieferorthopädie allein Mit Chirurgie Retentionsphase
Leicht 2-4 mm 18-24 Monate Nicht nötig Mindestens 2 Jahre
Mittel 4-6 mm 24-30 Monate 12-18 Monate Mindestens 3 Jahre
Schwer 6-8 mm 30-36 Monate 12-18 Monate Mindestens 4 Jahre
Sehr schwer >8 mm Oft nicht ausreichend 15-24 Monate Lebenslang

Retentionsphase und Stabilität

Nach Abschluss der aktiven Behandlung beginnt die kritische Retentionsphase. Hierbei werden Retainer (festsitzende Drähte hinter den Zähnen) oder herausnehmbare Schienen verwendet, um die erreichte Position zu stabilisieren. Diese Phase ist beim offenen Biss besonders wichtig, da die Rückfallquote ohne Retention bei bis zu 40-50% liegt.

Feste Retainer sollten idealerweise dauerhaft getragen werden. Herausnehmbare Retentionsschienen müssen in den ersten zwei Jahren nachts konsequent getragen werden, danach oft noch 2-3 Mal pro Woche. Die Kosten für Retainer liegen zwischen 300 und 800 Euro und sind nicht immer in den Behandlungskosten enthalten.

Erfolgsprognose und Rückfallrisiko

Die Erfolgsprognose hängt stark von der Ursache des offenen Bisses ab. Bei dentalen Formen (Fehlstellung nur der Zähne) liegt die Erfolgsrate bei über 85%. Bei skelettalen Formen mit chirurgischer Korrektur erreicht man Erfolgsraten von 90-95%. Allerdings besteht immer ein gewisses Rückfallrisiko, besonders wenn:

  • Die myofunktionelle Therapie vernachlässigt wird
  • Gewohnheiten wie Zungenpressen fortbestehen
  • Die Retention nicht konsequent durchgeführt wird
  • Atemwegsprobleme nicht behoben werden

Studien zeigen, dass etwa 15-20% der Patienten nach 5 Jahren einen teilweisen Rückfall erleben. Deshalb sind regelmäßige Kontrolltermine auch Jahre nach Behandlungsabschluss wichtig.

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Kosten der offener Biss Behandlung und Versicherungsleistungen

Die Kosten für die Behandlung eines offenen Bisses bei Erwachsenen können erheblich sein und stellen für viele Patienten eine finanzielle Herausforderung dar. Eine realistische Kostenplanung ist daher essenziell.

Detaillierte Kostenübersicht

Die Gesamtkosten setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen und variieren je nach Behandlungsansatz erheblich:

Behandlungskomponente Kostenbereich Anmerkungen
Diagnostik (Röntgen, Modelle, Analyse) 300-600 € Einmalig zu Beginn
Feste Zahnspange (Metall) 4.000-6.000 € Beide Kiefer, 24-36 Monate
Feste Zahnspange (Keramik) 5.000-7.500 € Ästhetischer, aber teurer
Lingualspange (innen) 7.000-12.000 € Unsichtbar, technisch aufwendig
Aligner-Therapie 5.000-9.000 € Anzahl der Schienen variiert
Mini-Schrauben (pro Stück) 150-300 € Meist 2-4 Stück nötig
Myofunktionelle Therapie 600-1.200 € 10-20 Sitzungen
Kieferoperation 8.000-15.000 € Inkl. Klinikaufenthalt
Retainer (beide Kiefer) 300-800 € Nach Behandlungsabschluss
Kontrolltermine (pro Jahr) 200-400 € Während Retentionsphase

Bei einem typischen Fall mit mittelschwerer Ausprägung, der mit einer festen Zahnspange und myofunktioneller Therapie behandelt wird, müssen Sie mit Gesamtkosten von 6.000 bis 9.000 Euro rechnen. Bei chirurgischen Fällen können die Kosten 15.000 bis 20.000 Euro erreichen.

Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt kieferorthopädische Behandlungen bei Erwachsenen nur in Ausnahmefällen. Eine Kostenübernahme ist möglich, wenn:

  • Eine schwere Kieferanomalie vorliegt, die nur durch eine Kombination aus Kieferorthopädie und Kieferchirurgie behandelt werden kann (KIG-Stufe 4-5)
  • Die Fehlstellung unfallbedingt entstanden ist
  • Eine angeborene Fehlbildung (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) vorliegt
  • Die Behandlung aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist

In diesen Fällen übernimmt die GKV die Kosten für die chirurgische Behandlung vollständig. Die kieferorthopädische Vor- und Nachbehandlung wird zu 80% übernommen, die restlichen 20% nach erfolgreichem Abschluss erstattet. Allerdings erfüllen nur etwa 5-10% der erwachsenen Patienten mit offenem Biss diese strengen Kriterien.

Die myofunktionelle Therapie wird von der GKV teilweise übernommen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt und die Therapie bei einem zugelassenen Logopäden durchgeführt wird. Die Zuzahlung beträgt 10% der Kosten plus 10 Euro pro Verordnung.

Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie

Eine Zahnzusatzversicherung mit Kieferorthopädie-Baustein kann die finanzielle Belastung erheblich reduzieren. Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen zu beachten:

Wartezeiten: Die meisten Tarife haben Wartezeiten von 6-8 Monaten, manche sogar bis zu 3 Jahren für kieferorthopädische Leistungen. Eine bereits diagnostizierte oder begonnene Behandlung wird nicht übernommen.

Altersgrenzen: Viele Tarife leisten nur bis zu einem bestimmten Alter (oft 21 oder 25 Jahre). Es gibt aber spezielle Tarife für Erwachsene ohne Altersbegrenzung.

Erstattungshöhe: Je nach Tarif werden 50-90% der Kosten erstattet, oft mit jährlichen oder lebenslangen Höchstgrenzen (z.B. 3.000-6.000 Euro).

Gesundheitsfragen: Bei Antragstellung müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Bereits bestehende Fehlstellungen oder laufende Behandlungen führen zum Ausschluss.

Empfehlenswerte Tarife für Erwachsene mit kieferorthopädischen Leistungen sind beispielsweise:

  • Ergo Direkt ZAB + ZAE (bis zu 1.000 € in 4 Jahren für KFO)
  • Allianz MeinZahnschutz 90 (bis zu 2.500 € für KFO bei Erwachsenen)
  • DFV ZahnSchutz Exklusiv (bis zu 3.000 € in 4 Jahren)

Die monatlichen Beiträge liegen je nach Alter zwischen 25 und 60 Euro. Ein Abschluss lohnt sich vor allem, wenn Sie bereits wissen, dass eine Behandlung in den nächsten Jahren wahrscheinlich ist, aber noch keine Diagnose vorliegt.

Finanzierungsmöglichkeiten

Wenn Sie die Kosten nicht auf einmal tragen können, bieten die meisten Kieferorthopäden Ratenzahlungen an. Üblich sind Laufzeiten von 12-36 Monaten, oft zinslos oder mit geringen Zinsen (3-5%). Alternativ gibt es spezialisierte Medizinkredite von Banken mit längeren Laufzeiten.

Auch eine Finanzierung über externe Dienstleister ist möglich. Hier sollten Sie aber die Konditionen genau prüfen, da die Zinsen teilweise deutlich höher sind als bei einem normalen Ratenkredit.

Spezialisierte Behandlungsansätze nach Ursache

Die erfolgreiche Behandlung eines offenen Bisses erfordert einen auf die spezifische Ursache zugeschnittenen Ansatz. Nur wenn die zugrunde liegenden Faktoren adressiert werden, ist ein stabiles Langzeitergebnis zu erwarten.

Behandlung bei Zungenpressen

Zungenpressen ist die häufigste Ursache für offenen Biss bei Erwachsenen. Die Behandlung muss daher zwingend eine Verhaltensänderung beinhalten. Neben der kieferorthopädischen Apparatur kommen spezielle Zungengitter (Tongue Cribs) zum Einsatz, die an der Innenseite der oberen Frontzähne befestigt werden und das Pressen physisch verhindern.

Die myofunktionelle Therapie ist hier unverzichtbar. In wöchentlichen Sitzungen lernen Patienten:

  • Die korrekte Ruheposition der Zunge (am Gaumen, nicht an den Zähnen)
  • Physiologisches Schlucken ohne Zungenpressen
  • Bewusstmachung unbewusster Gewohnheiten
  • Entspannungstechniken zur Stressreduktion

Studien zeigen, dass ohne begleitende myofunktionelle Therapie die Rückfallquote bei über 60% liegt, mit Therapie sinkt sie auf unter 15%.

Behandlung bei Mundatmung

Wenn chronische Mundatmung die Ursache ist, muss zunächst die Nasenatmung wiederhergestellt werden. Dies kann verschiedene Maßnahmen erfordern:

  • HNO-ärztliche Behandlung: Entfernung von vergrößerten Rachenmandeln, Korrektur einer Nasenscheidewandverkrümmung oder Behandlung chronischer Sinusitis
  • Allergiebehandlung: Bei allergischer Rhinitis kann eine Hyposensibilisierung oder medikamentöse Therapie notwendig sein
  • Atemtherapie: Physiotherapeutische Übungen zur Umstellung auf Nasenatmung

Erst wenn die Nasenatmung funktioniert, kann die kieferorthopädische Behandlung erfolgreich sein. Andernfalls wird die offene Mundstellung den offenen Biss immer wieder begünstigen.

Behandlung skelettaler Formen

Bei skelettalen Formen mit ausgeprägtem Long-Face-Syndrom ist eine rein kieferorthopädische Behandlung oft nicht ausreichend. Hier ist die Kombination mit einer Kieferoperation der Goldstandard. Der Ablauf ist typischerweise:

  1. Präoperative Phase (6-12 Monate): Kieferorthopädische Vorbehandlung zur optimalen Ausrichtung der Zähne innerhalb der Kiefer
  2. Chirurgische Phase: Verlagerung des Oberkiefers nach oben (und ggf. des Unterkiefers), Fixierung mit Titanplatten
  3. Postoperative Phase (3-6 Monate): Feineinstellung der Okklusion durch Kieferorthopädie
  4. Retention: Langfristige Stabilisierung mit Retainern

Die Erfolgsrate dieser kombinierten Behandlung liegt bei über 90%, und die Ergebnisse sind in der Regel sehr stabil. Wichtig ist die Behandlung in einem erfahrenen Team aus Kieferorthopäden und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen.

Leben während und nach der Behandlung

Die Behandlung eines offenen Bisses ist ein längerer Prozess, der den Alltag beeinflusst. Eine gute Vorbereitung und realistische Erwartungen helfen, die Behandlungszeit erfolgreich zu durchlaufen.

Alltag mit Zahnspange oder Alignern

In den ersten Tagen nach dem Einsetzen einer festen Zahnspange sind Schmerzen und Druckgefühle normal. Die Zähne können empfindlich sein, und weiche Nahrung ist für etwa eine Woche empfehlenswert. Sprechen kann anfangs ungewohnt sein, besonders bei Lingualspangen. Dies normalisiert sich aber innerhalb von 2-3 Wochen.

Die Mundhygiene erfordert mehr Zeit und Sorgfalt. Mindestens dreimal täglich sollten die Zähne geputzt werden, idealerweise nach jeder Mahlzeit. Interdentalbürsten und Zahnseide sind unverzichtbar, um Speisereste unter den Brackets zu entfernen. Elektrische Zahnbürsten mit speziellem Aufsatz für Brackets erleichtern die Reinigung.

Bei Alignern ist die Mundhygiene einfacher, da die Schienen zum Essen herausgenommen werden. Allerdings erfordert die Behandlung hohe Disziplin: Die Schienen müssen 22 Stunden täglich getragen werden. Nur zum Essen und Zähneputzen dürfen sie entfernt werden. Trinken ist nur mit Wasser möglich, da andere Getränke die Schienen verfärben oder Karies unter den Schienen begünstigen können.

Ernährung während der Behandlung

Mit fester Zahnspange sollten Sie bestimmte Lebensmittel meiden:

  • Harte Lebensmittel (Nüsse, hartes Brot, Äpfel im Ganzen)
  • Klebrige Süßigkeiten (Karamell, Gummibärchen)
  • Sehr knusprige Speisen (Chips, Kekse)
  • Kaugummi

Diese können Brackets ablösen oder Drähte verbiegen. Schneiden Sie harte Lebensmittel in kleine Stücke und kauen Sie vorsichtig. In den ersten Tagen nach dem Nachstellen der Spange sind weiche Speisen wie Suppen, Püree, Joghurt oder Smoothies angenehmer.

Berufliche und soziale Aspekte

Viele Erwachsene haben Bedenken, wie eine Zahnspange ihre berufliche Situation beeinflusst. Tatsächlich ist das Tragen einer Zahnspange heute auch bei Erwachsenen gesellschaftlich akzeptiert. Etwa 25% aller kieferorthopädischen Patienten sind über 18 Jahre alt.

Wenn Ihnen die Ästhetik sehr wichtig ist, gibt es diskrete Optionen wie Keramikbrackets, Lingualspangen oder Aligner. Diese sind im Alltag kaum sichtbar. Auch die Sprachqualität normalisiert sich nach einer Eingewöhnungsphase.

Nach einer Kieferoperation ist mit einer Ausfallzeit von 2-3 Wochen zu rechnen. In dieser Zeit sind Schwellungen und Blutergüsse sichtbar, und die Nahrungsaufnahme ist auf flüssige und pürierte Kost beschränkt. Planen Sie diese Zeit entsprechend, eventuell mit Urlaub oder Homeoffice.

Langfristige Nachsorge

Nach Abschluss der aktiven Behandlung ist die Nachsorge entscheidend für den langfristigen Erfolg. Regelmäßige Kontrollen beim Kieferorthopäden (zunächst alle 3-6 Monate, später jährlich) sind wichtig, um frühzeitig Rückfälle zu erkennen.

Die Retainer müssen gewissenhaft getragen werden. Feste Retainer sollten bei der täglichen Mundhygiene besonders beachtet werden, da sich hier leicht Zahnstein bildet. Herausnehmbare Retentionsschienen sollten täglich mit Zahnbürste und milder Seife gereinigt werden.

Auch die myofunktionellen Übungen sollten Sie dauerhaft in Ihren Alltag integrieren. Die korrekte Zungenposition und das physiologische Schluckmuster müssen zur Gewohnheit werden, um einen Rückfall zu verhindern.

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Prävention und Früherkennung

Auch wenn Sie als Erwachsener bereits einen offenen Biss haben, ist es wichtig zu verstehen, wie diese Fehlstellung entsteht – besonders wenn Sie Kinder haben oder jüngere Familienmitglieder beraten möchten.

Früherkennung bei Kindern

Ein offener Biss entwickelt sich meist in der Kindheit. Frühe Warnzeichen sind:

  • Daumenlutschen oder Schnullergebrauch über das dritte Lebensjahr hinaus
  • Ständig geöffneter Mund und Mundatmung
  • Sichtbares Zungenpressen beim Schlucken
  • Häufige Erkältungen und Atemwegsinfekte (durch Mundatmung)
  • Lispeln oder andere Sprachprobleme

Die erste kieferorthopädische Kontrolle sollte mit 6-7 Jahren erfolgen. In diesem Alter kann ein beginnender offener Biss oft noch mit einfachen Mitteln korrigiert werden, bevor sich die Fehlstellung verfestigt.

Abgewöhnung schädlicher Gewohnheiten

Die Abgewöhnung von Habits wie Daumenlutschen oder Zungenpressen ist bei Kindern einfacher als bei Erwachsenen, aber auch im Erwachsenenalter möglich. Bewährte Strategien sind:

  • Bewusstmachung: Führen Sie ein Tagebuch, wann Sie die Gewohnheit ausüben. Meist gibt es Trigger wie Stress oder Langeweile.
  • Ersatzhandlungen: Finden Sie alternative Verhaltensweisen für stressige Situationen (z.B. Stressball, Atemübungen).
  • Erinnerungshilfen: Pflaster auf dem Daumen oder Notizen als visuelle Erinnerungen können helfen.
  • Positive Verstärkung: Belohnen Sie sich für erfolgreiche Tage ohne die Gewohnheit.
  • Professionelle Hilfe: Bei hartnäckigen Gewohnheiten kann Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Bedeutung der Nasenatmung

Die Förderung der Nasenatmung ist zentral für die Prävention. Wenn Sie häufig durch den Mund atmen, sollten Sie die Ursache abklären lassen. Oft helfen bereits einfache Maßnahmen:

  • Behandlung von Allergien
  • Nasenspülungen bei chronischer Sinusitis
  • Luftbefeuchtung im Schlafzimmer
  • Atemübungen zur Umstellung auf Nasenatmung

Die Nasenatmung hat zahlreiche Vorteile: Sie filtert und erwärmt die Atemluft, fördert die Sauerstoffaufnahme und unterstützt die korrekte Zungen- und Kieferposition.

Auswahl des richtigen Behandlers

Die Wahl des richtigen Kieferorthopäden ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Nicht jeder Zahnarzt oder Kieferorthopäde hat ausreichend Erfahrung mit der komplexen Behandlung offener Bisse bei Erwachsenen.

Qualifikationen und Spezialisierungen

Achten Sie auf folgende Qualifikationsmerkmale:

  • Facharzt für Kieferorthopädie: In Deutschland eine dreijährige Zusatzausbildung nach dem Zahnmedizinstudium
  • Mitgliedschaft in Fachgesellschaften: Z.B. Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO)
  • Spezialisierung auf Erwachsenenbehandlung: Nicht alle Kieferorthopäden behandeln regelmäßig Erwachsene
  • Erfahrung mit offenen Bissen: Fragen Sie konkret nach der Anzahl behandelter Fälle
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Bei komplexen Fällen wichtig (mit Chirurgen, Logopäden, HNO-Ärzten)

Erstberatung und Behandlungsplan

Eine gründliche Erstberatung sollte mindestens 30-45 Minuten dauern und folgende Punkte umfassen:

  • Ausführliche Anamnese und Untersuchung
  • Detaillierte Erklärung der Diagnose
  • Vorstellung verschiedener Behandlungsoptionen mit Vor- und Nachteilen
  • Realistische Einschätzung der Behandlungsdauer
  • Transparente Kostenaufstellung
  • Beantwortung aller Fragen ohne Zeitdruck

Seien Sie skeptisch bei Versprechen wie “garantiert in 6 Monaten” oder extrem günstigen Angeboten. Die Behandlung eines offenen Bisses bei Erwachsenen ist komplex und erfordert Zeit und Expertise.

Fragen für das Beratungsgespräch

Bereiten Sie sich auf die Beratung vor und stellen Sie konkrete Fragen:

  • Wie viele Erwachsene mit offenem Biss haben Sie bereits behandelt?
  • Welche Behandlungsmethode empfehlen Sie in meinem Fall und warum?
  • Mit welcher Behandlungsdauer muss ich realistisch rechnen?
  • Wie hoch ist das Rückfallrisiko und wie wird diesem vorgebeugt?
  • Welche Kosten entstehen insgesamt, auch für Retention und Nachsorge?
  • Gibt es Ratenzahlungsmöglichkeiten?
  • Wie oft muss ich zu Kontrollterminen kommen?
  • Was passiert, wenn ich umziehe oder die Behandlung unterbrochen werden muss?
  • Kann ich Vorher-Nachher-Bilder ähnlicher Fälle sehen?

Holen Sie im Zweifelsfall eine Zweitmeinung ein. Die meisten seriösen Kieferorthopäden haben damit kein Problem und respektieren den Wunsch nach umfassender Information.

Moderne Technologien in der Behandlung

Die Kieferorthopädie hat in den letzten Jahren enorme technologische Fortschritte gemacht, die besonders bei der Behandlung komplexer Fälle wie dem offenen Biss von Vorteil sind.

Digitale Behandlungsplanung

Moderne Praxen nutzen 3D-Scans statt unangenehmer Abdrücke. Diese digitalen Modelle ermöglichen eine präzise Analyse und Behandlungsplanung. Mit spezieller Software können Kieferorthopäden das voraussichtliche Behandlungsergebnis simulieren und Ihnen bereits vor Behandlungsbeginn zeigen, wie Ihr Biss nach der Therapie aussehen wird.

Diese virtuelle Behandlungsplanung (Virtual Treatment Planning) erhöht die Vorhersagbarkeit und ermöglicht es, verschiedene Behandlungsoptionen zu vergleichen. Sie können als Patient aktiv in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Beschleunigte Kieferorthopädie

Verschiedene Methoden können die Behandlungsdauer verkürzen:

  • Piezocision: Minimalinvasive mikrochirurgische Schnitte im Knochen stimulieren den Knochenumbau und beschleunigen die Zahnbewegung um bis zu 30-40%
  • Photobiomodulation: Niederenergetische Lasertherapie fördert den Knochenumbau und reduziert Schmerzen
  • Vibrationsgeräte: Spezielle Geräte wie AcceleDent erzeugen Mikrovibrationen, die den Knochenumbau stimulieren sollen (Wirksamkeit wissenschaftlich noch umstritten)

Diese Technologien können die Behandlungszeit um 20-40% reduzieren, verursachen aber zusätzliche Kosten von 500-2.000 Euro und werden nicht von Versicherungen übernommen.

Robotik und künstliche Intelligenz

Erste Praxen setzen robotergestützte Systeme für das präzise Biegen von Behandlungsbögen ein. KI-Algorithmen analysieren Behandlungsverläufe von Tausenden Patienten und können Vorhersagen über optimale Behandlungsstrategien treffen. Diese Technologien stecken noch in den Anfängen, zeigen aber vielversprechende Ergebnisse für komplexe Fälle.

Psychologische Aspekte der Behandlung

Die Entscheidung für eine kieferorthopädische Behandlung im Erwachsenenalter ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine psychologische. Viele Patienten haben jahrelang mit der Fehlstellung gelebt und sich arrangiert – die Behandlung bedeutet eine Veränderung, die Mut erfordert.

Motivation und Durchhaltevermögen

Eine Behandlung über zwei bis drei Jahre erfordert Geduld und Disziplin. Rückschläge wie abgelöste Brackets, längere Behandlungszeiten als geplant oder temporäre Verschlechterungen können frustrierend sein. Wichtig ist eine realistische Erwartungshaltung und die Fokussierung auf das langfristige Ziel.

Hilfreich kann es sein, Fortschritte zu dokumentieren – etwa durch monatliche Fotos. So werden auch kleine Veränderungen sichtbar, die im Alltag nicht auffallen. Viele Patienten berichten, dass diese visuelle Dokumentation ihre Motivation erheblich gesteigert hat.

Selbstbewusstsein und Lebensqualität

Studien zeigen eindrucksvoll die psychologischen Vorteile einer erfolgreichen Behandlung. In einer Untersuchung von 2023 gaben 87% der Patienten an, nach der Behandlung eines offenen Bisses selbstbewusster zu sein. 76% berichteten von verbesserter Lebensqualität, und 68% fühlten sich beruflich erfolgreicher.

Die Verbesserung betrifft nicht nur die Ästhetik, sondern auch funktionelle Aspekte wie besseres Kauen und klarere Aussprache. Viele Patienten berichten, dass sie nach der Behandlung erstmals ohne Hemmungen lachen und sprechen können.

Umgang mit Unsicherheiten während der Behandlung

Die Behandlungsphase selbst kann Unsicherheiten mit sich bringen. Eine sichtbare Zahnspange im Erwachsenenalter erfordert Selbstbewusstsein. Hilfreich ist es, offen mit dem Umfeld über die Behandlung zu sprechen. Die meisten Menschen reagieren positiv und respektvoll, wenn Sie erklären, dass Sie aktiv an Ihrer Gesundheit arbeiten.

Bei starken psychischen Belastungen kann auch psychologische Begleitung sinnvoll sein. Einige kieferorthopädische Praxen arbeiten mit Psychologen zusammen oder können Empfehlungen aussprechen.

Häufig gestellte Fragen zu Offener Biss: Ursachen und Therapie im Erwachsenenalter

Kann ein offener Biss bei Erwachsenen ohne Operation korrigiert werden?

Ja, in vielen Fällen ist eine Korrektur ohne Operation möglich. Bei leichten bis mittelschweren Formen (Lücke bis 6 mm) reicht oft eine kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspange oder Alignern in Kombination mit myofunktioneller Therapie aus. Die Behandlung dauert etwa 18-36 Monate. Nur bei schweren skelettalen Fehlstellungen mit ausgeprägtem Long-Face-Syndrom ist eine Kieferoperation notwendig. Ihr Kieferorthopäde kann nach der Diagnostik einschätzen, welcher Ansatz in Ihrem Fall erfolgversprechend ist.

Wie lange dauert die Behandlung eines offenen Bisses bei Erwachsenen?

Die Behandlungsdauer variiert je nach Schweregrad und gewählter Methode. Bei rein kieferorthopädischer Behandlung müssen Sie mit 18-36 Monaten rechnen, wobei leichte Fälle schneller behandelt werden können als schwere. Bei chirurgischen Fällen beträgt die Gesamtbehandlungszeit (inklusive prä- und postoperativer Kieferorthopädie) etwa 12-24 Monate. Nach der aktiven Behandlung folgt eine mehrjährige Retentionsphase zur Stabilisierung des Ergebnisses. Faktoren wie Ihr Alter, die Knochenqualität und Ihre Mitarbeit beeinflussen die Dauer ebenfalls.

Was kostet die Behandlung eines offenen Bisses und zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten variieren stark je nach Behandlungsmethode: Eine kieferorthopädische Behandlung mit fester Zahnspange kostet 4.000-8.000 Euro, Aligner 5.000-9.000 Euro. Bei chirurgischen Fällen können die Gesamtkosten 15.000-20.000 Euro erreichen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt bei Erwachsenen nur in Ausnahmefällen (schwere Kieferanomalien mit chirurgischer Indikation, KIG 4-5). Eine Zahnzusatzversicherung mit Kieferorthopädie-Baustein kann 50-90% der Kosten erstatten, hat aber Wartezeiten und Altersgrenzen. Wichtig: Die Versicherung muss vor Diagnosestellung abgeschlossen werden.

Kann ein offener Biss nach der Behandlung wieder zurückkommen?

Ja, ohne konsequente Retention und Beseitigung der Ursachen besteht ein Rückfallrisiko von 40-50%. Besonders gefährdet sind Patienten, die weiterhin mit der Zunge gegen die Zähne pressen oder durch den Mund atmen. Um einen Rückfall zu verhindern, sind feste oder herausnehmbare Retainer unverzichtbar, die oft dauerhaft getragen werden müssen. Zusätzlich ist eine myofunktionelle Therapie wichtig, um falsche Gewohnheiten dauerhaft zu ändern. Bei konsequenter Retention und Verhaltensänderung liegt die Erfolgsrate bei über 85%. Regelmäßige Kontrolltermine helfen, beginnende Rückfälle frühzeitig zu erkennen.

Welche Probleme verursacht ein unbehandelter offener Biss?

Ein unbehandelter offener Biss führt zu vielfältigen Problemen: Funktionell erschwert er das Abbeißen von Nahrung und führt zu übermäßiger Belastung der Seitenzähne, was vorzeitigen Verschleiß verursacht. Etwa 45-60% der Betroffenen entwickeln Kiefergelenksprobleme mit Schmerzen und Knacken. Die chronische Mundatmung erhöht das Kariesrisiko um 40% und führt zu Mundtrockenheit. Sprachprobleme, besonders bei Zischlauten, betreffen 65% der Patienten. Langfristig steigt das Risiko für Parodontitis und Zahnverlust. Auch psychosoziale Auswirkungen wie vermindertes Selbstbewusstsein sind häufig. Eine rechtzeitige Behandlung verhindert diese Folgeprobleme und verbessert die Lebensqualität erheblich.

Ist eine Aligner-Behandlung bei offenem Biss genauso effektiv wie eine feste Zahnspange?

Aligner können bei leichten bis mittelschweren offenen Bissen (Lücke bis 5 mm) erfolgreich eingesetzt werden und erreichen vergleichbare Ergebnisse wie feste Zahnspangen. Sie bieten Vorteile in Ästhetik und Komfort. Allerdings erfordern sie sehr hohe Disziplin – die Schienen müssen mindestens 22 Stunden täglich getragen werden. Bei schweren Fällen oder wenn präzise vertikale Zahnbewegungen nötig sind, ist eine feste Zahnspange oft überlegen. Moderne Aligner-Systeme nutzen Attachments (kleine Kunststoffknöpfchen auf den Zähnen) und Gummizüge für komplexere Bewegungen. Ihr Kieferorthopäde kann nach der Diagnostik einschätzen, ob Aligner in Ihrem Fall geeignet sind.

Was ist eine myofunktionelle Therapie und warum ist sie wichtig?

Die myofunktionelle Therapie ist eine logopädische Behandlung, die fehlerhafte Muskel- und Bewegungsmuster im Mund- und Gesichtsbereich korrigiert. Sie trainiert die korrekte Zungenposition, physiologisches Schlucken und Lippentonus. Diese Therapie ist bei offener Biss Behandlung essenziell, da sie die Ursachen wie Zungenpressen adressiert. Ohne myofunktionelle Therapie liegt die Rückfallquote bei über 60%, mit Therapie sinkt sie auf unter 15%. Die Behandlung umfasst typischerweise 10-20 Sitzungen über mehrere Monate und kostet 600-1.200 Euro. Die Übungen müssen auch nach Therapieende dauerhaft im Alltag angewendet werden, um das Behandlungsergebnis zu stabilisieren.

Ab welchem Alter ist eine Behandlung des offenen Bisses nicht mehr möglich?

Grundsätzlich gibt es keine Altersgrenze für die Behandlung eines offenen Bisses. Auch im höheren Erwachsenenalter (50+, 60+) ist eine kieferorthopädische Behandlung möglich, allerdings verlangsamt sich die Zahnbewegung mit zunehmendem Alter, da der Knochenumbau langsamer verläuft. Die Behandlung dauert dann etwas länger. Wichtig ist ein gesunder Zahnhalteapparat – bei fortgeschrittener Parodontitis muss diese zuerst behandelt werden. Auch die allgemeine Gesundheit spielt eine Rolle: Bestimmte Medikamente oder Erkrankungen können die Behandlung erschweren. Eine individuelle Beratung beim Kieferorthopäden klärt, ob eine Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll und erfolgversprechend ist.

Wie schmerzhaft ist die Behandlung eines offenen Bisses?

Die Behandlung selbst ist nicht schmerzhaft, aber mit Unbehagen verbunden. Nach dem Einsetzen einer festen Zahnspange oder beim Wechsel der Aligner treten für 2-4 Tage Druckgefühle und leichte Schmerzen auf, die mit rezeptfreien Schmerzmitteln gut behandelbar sind. Die Zähne können empfindlich sein, besonders beim Kauen. Weiche Nahrung ist in dieser Phase angenehmer. Brackets können anfangs die Wangen und Lippen reizen, bis sich die Mundschleimhaut angepasst hat. Schutzwachs hilft gegen Scheuerstellen. Bei einer Kieferoperation sind die ersten Tage nach dem Eingriff schmerzhafter, die Beschwerden lassen aber mit Schmerzmitteln gut kontrollieren. Die meisten Patienten gewöhnen sich schnell an die Apparatur.

Kann ich während der Behandlung normal essen und sprechen?

Ja, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase können Sie weitgehend normal essen und sprechen. Bei fester Zahnspange sollten Sie harte, klebrige und sehr knusprige Lebensmittel meiden, um Brackets nicht zu beschädigen. Schneiden Sie harte Speisen in kleine Stücke. Das Sprechen kann anfangs ungewohnt sein, besonders bei Lingualspangen, normalisiert sich aber innerhalb von 2-3 Wochen. Bei Alignern ist die Einschränkung minimal – Sie können zum Essen die Schienen herausnehmen. Nur Wasser dürfen Sie mit den Schienen trinken. Nach einer Kieferoperation ist die Nahrungsaufnahme für 2-3 Wochen auf flüssige und pürierte Kost beschränkt, danach können Sie schrittweise zur normalen Ernährung zurückkehren.

Fazit: Erfolgreiche Behandlung eines offenen Bisses im Erwachsenenalter

Ein offener Biss bei Erwachsenen ist eine komplexe Kieferfehlstellung, die weit mehr als nur ein ästhetisches Problem darstellt. Die funktionellen Beeinträchtigungen beim Kauen und Sprechen sowie die langfristigen Folgen für die Zahngesundheit machen eine Behandlung sinnvoll und notwendig. Die gute Nachricht: Auch im Erwachsenenalter lässt sich ein offener Biss erfolgreich korrigieren.

Die Behandlung erfordert einen individuellen, auf die spezifische Ursache abgestimmten Ansatz. Bei leichten bis mittelschweren Fällen reicht oft eine kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspange oder Alignern aus, bei schweren skelettalen Formen ist eine Kombination mit Kieferchirurgie notwendig. Unverzichtbar ist in fast allen Fällen eine begleitende myofunktionelle Therapie, um die zugrunde liegenden Gewohnheiten wie Zungenpressen zu korrigieren und einen Rückfall zu verhindern.

Die Behandlung erfordert Geduld – mit 18-36 Monaten müssen Sie rechnen – und eine gewisse finanzielle Investition von 6.000 bis über 15.000 Euro je nach Methode. Eine Zahnzusatzversicherung kann die Kosten erheblich reduzieren, muss aber rechtzeitig vor Diagnosestellung abgeschlossen werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur in Ausnahmefällen.

Die Erfolgsaussichten sind gut: Bei konsequenter Behandlung und Retention liegt die Erfolgsrate bei über 85%. Die Verbesserung betrifft nicht nur die Ästhetik, sondern auch Kaufunktion, Aussprache und langfristige Zahngesundheit. Viele Patienten berichten von deutlich gesteigerter Lebensqualität und Selbstbewusstsein nach erfolgreicher Behandlung.

Der erste Schritt ist eine umfassende Beratung bei einem erfahrenen Kieferorthopäden. Lassen Sie sich verschiedene Behandlungsoptionen erklären, holen Sie bei Bedarf eine Zweitmeinung ein und informieren Sie sich über Finanzierungsmöglichkeiten. Mit der richtigen Behandlung und einem erfahrenen Team an Ihrer Seite steht einem erfolgreichen Ergebnis nichts im Wege.

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Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über offenen Biss bei Erwachsenen und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Diagnose und Behandlung sollten immer durch einen qualifizierten Kieferorthopäden oder Zahnarzt erfolgen. Die genannten Kosten und Behandlungsdauern sind Durchschnittswerte und können im Einzelfall abweichen. Informationen zu Versicherungsleistungen sind allgemeiner Natur – prüfen Sie die konkreten Bedingungen Ihres Tarifs. Stand der Informationen: 2025.

Bild von <small>Autor</small><br>Joschka Weiss
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Joschka Weiss

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